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Einsatz der Erzeuger ist stets gleich hoch

12. Oktober 2017

Foto: LVN

Viel Gutes im Glas – mit dieser positiven Botschaft fasst die Stiftung Warentest zusammen, was sie bei der Untersuchung von Konsummilch festgestellt hat. Im Oktoberheft der Zeitschrift „test“ ging es um die Qualität von Vollmilch unterschiedlicher Molkereien.

Leider stellen dann aber Überschriften wie „Kühe würden Bio kaufen“ und die Aussage „Unsere Bilanz: Je billiger eine Milch, desto weniger Einsatz für Tierwohl, Umwelt und faire Erzeugerpreise“ die in weiten Teilen objektive Bewertung wieder in Frage. Denn solche Aussagen suggerieren, dass Tierwohl von der Art der Erzeugung – konventionell oder bio – abhängt. Warentest verkennt hiermit, dass in den letzten Jahren Milchviehhalter jährlich zwischen drei und vier Milliarden Euro in den Um- oder Neubau von Boxenlaufställen sowie in moderne Stalltechnik investierten. Das wäre ein geeigneter Indikator für Tierwohl, nicht der Verbraucherpreis.

Zutreffend beschrieben wird im Testbericht wiederum, wie die Milchwirtschaft über den Standard QM-Milch hohe Qualitätsansprüche umsetzt. „Dass die Qualität der Milch stimmt und Landwirte zunehmend ins Tierwohl investieren – dafür sorgt die Milchwirtschaft selbst“, heißt es völlig richtig.

Warum jedoch unter Handelsmarken angebotene Vollmilch im Prüfpunkt Tierwohl abgewertet wird, ist nicht nachvollziehbar. Man kann zwar bemängeln, dass der Handel sich beim Honorieren von Nachhaltigkeitsleistungen zu wenig engagiert. Letztendlich erfüllen aber Produkte im Handelsmarkensegment vielfach die gleichen hohen Qualitätskriterien wie Markenprodukte.

Hier offenbaren sich Schwächen in der Recherche. Unabhängig von Marke oder Handelsmarke ist das Engagement gleich, wo für die Qualität die „QM-Milch-Kriterien“ gelten. Markenstandards, die oberhalb der QM-Milch-Normen liegen, können natürlich auch höher bewertet werden. Das gleichwertige Produkt abzuwerten, nur weil es keine Herstellermarke, sondern eine Handelsmarke trägt, wird den Anstrengungen der Erzeuger und Verarbeiter nicht gerecht.

Einzelne Markenhersteller bekamen sogar eine mangelhafte Beurteilung. Allerdings nicht für die Qualität der Milch, sondern weil sie auf Fragen zu unternehmerischer Verantwortung, Tierwohl und Rückverfolgbarkeit nicht umfassend Auskunft erteilt hätten – Informationen übrigens, die man auf den Internetseiten der Unternehmen nachlesen kann.

Unser Fazit: Stiftung Warentest hat die Chance erkannt, ein wichtiges Lebensmittel zu bewerten, die Trefferquote blieb aber leider unzureichend.

Frank Feuerriegel,
Landesvereinigung der Milchwirtschaft

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