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Klare Kennzeichnung am Produkt

15. März 2018


Haltung Verbraucher sollten am Fleisch erkennen können, aus welcher Form der Tierhaltung es stammt. Dann könnten sie beim Einkaufen gezielt auf hohe deutsche Standards achten, erklärt der Bauernverband seinen Kursschwenk.    
Offen für die verpflichtende Haltungskennzeichnung von Fleisch und Fleischerzeugnissen hat sich der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, gezeigt. Vor allem bei Schweinefleisch solle für den Verbraucher klar und eindeutig zu erkennen sein, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten würden, erklärte Rukwied vorige Woche gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Der DBV bestätigte entsprechende Meldungen am Montag in einer eigenen Presseinformation.

Ziffer 1 für den Standard
Produkte, bei deren Erzeugung der deutsche gesetzliche Standard nicht eingehalten werde, würden mit der Stufe 0 gekennzeichnet. Stufe 1 entspräche dem deutschen, gesetzlichen Standard; Stufe 2 wären höhere Standards, zum Beispiel mit mehr Platz im Stall, was dem Standard der „Initiative Tierwohl“ gleichkäme, und Stufe 3 wäre dann „Premium“, beispielsweise mit Auslauf ins Freie. Biofleisch habe darüber hinaus ohnehin einen eigenen, höheren Standard.
„Höhere Standards bedeuten aber auch höhere Kosten, und das muss sich in einem etwas höheren Verkaufspreis widerspiegeln“, stellte Rukwied klar. Anders als bei der Eierkennzeichnung sollten hier nicht einzelne Stalltypen entscheidend sein, sondern die gegenüber den gesetzlichen Anforderungen erhöhten Standards. Eine Haltungsformkennzeichnung ist aus Sicht des Bauernverbandes allerdings nur sinnvoll, wenn nicht nur Frischfleisch, sondern die gesamte Palette der Fleischwaren und Verarbeitungserzeugnisse einbezogen werde. Denkbar sei, dass die „Initiative Tierwohl“ oder vergleichbare Institutionen die Organisation eines solchen Systems übernehmen könnten. Der DBV erwartet von einem solchen System, dass mehr Produkte aus besseren Bedingungen gekauft werden.

BÖLW will die 0 für Bio
„Bemerkenswert“ nannte der  Agrarsprecher der Grünen im Bundestag, Friedrich Os­tendorff, die Äußerungen des Bauernpräsidenten. Aus seiner Sicht ist damit das Bundeslandwirtschaftsministerium mit seinen Plänen für eine freiwillige Kennzeichnung isoliert.

Ostendorff verwies auf eine kürzlich veröffentlichten Umfrage der Initiative Tierwohl, nach der mehr als 60 % der befragten Verbraucher den Staat in der Pflicht sehen, für eine tiergerechte Haltung von Nutztieren zu sorgen.
Für den Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) kam Rukwieds Ankündigung offenbar überraschend. Sein Vorsitzender, Felix Prinz zu Löwenstein, kommentierte zurückhaltend, es sei gut, „wenn sich der DBV nun auch für eine verpflichtende Haltungskennzeichnung ausspricht“. Sie sei allerdings nur sinnvoll, wenn sie sich „an der vom Verbraucher gelernten Eierkennzeichnung orientiert und Bio als höchsten gesetzlichen Standard einbezieht“. Nach den Vorstellungen des BÖLW würde die Ziffer 3 für gesetzlichen Mindeststandard stehen, 2 für Stroh und mehr Platz im Stall, 1 für zusätzlichen Auslauf und 0 für Bio als höchsten gesetzlichen Standard. Zu Löwenstein appellierte an Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, eine verpflichtende Fleischkennzeichnung einzuführen und zugleich den gesetzlichen Mindeststandard der Tierhaltung anzuheben.
AgE/PI/red

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