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Immer mehr Rudel - Sorgen der Tierhalter wachsen

29. März 2018

Foto: Landvolk

Wolfsmanagement Als „offen und ermutigend“ bezeichnet Landvolkvizepräsident Jörn Ehlers einen Termin mit Umweltminister Olaf Lies. Die im „Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement“ zusammengeschlossenen Verbände hatten um das Gespräch gebeten. Gut zwei Stunden diskutierte der Minister intensiv und lebhaft mit den mehr als 20 Gästen.

Natürlich stand bei Lies erneut das Werben um Akzeptanz für den Wolf im Vordergrund, steht die Ausbreitung der Art doch auch für die „erfolgreichen Naturschutzbemühungen“ des Landes. Der Umweltminister zeigte sich aber auch gegenüber den Argumenten der Nutztierhalter sehr aufgeschlossen. So möchte er verhindern, dass sich gerade kleinere Tierhalter zurückziehen, weil sie die zeitaufwändigen und teuren Schutzvorkehrungen gegen Wolfsübergriffe nicht leisten können.

Auch bei den Ausgleichszahlungen für die durch Wölfe verursachten Schäden will er den Tierhaltern entgegenkommen, der Ausgleich müsse schneller und effektiver geleistet werden.

Der Minister, der sich die Sorgen der Tierhalter ein Stück weit zu eigen machte, warb bei diesen zugleich um Verständnis für die nach deutscher und europäischer Rechtslage geltenden Vorschriften. So muss beispielsweise die vom Umweltminister geplante Besenderung auffälliger Wölfe jeweils zuvor unter anderem nach Arten- und Tierschutzrecht genehmigt werden.

Lies hat bei seinen Gesprächen auf Brüsseler Ebene festgestellt, dass die Kommission keine Vorstellung von den Problemen der hiesigen Tierhalter hat, die durch die Rückkehr des Wolfes verursacht werden. Er will der Kommission daher die Gelegenheit geben, sich in Niedersachsen direkt vor Ort zu informieren und setzt dabei auf die Unterstützung der betroffenen Tierhalter.

In Niedersachsen gibt es nach neuesten Informationen mittlerweile 15 nachgewiesene Wolfsrudel. 2017 wurden 144 Fälle nachgewiesen, bei denen Wölfe Nutztiere gerissen haben. 2013 waren es nur 16.

Das jüngste Rudel wurde kürzlich im Raum Walle (Kreis Celle) bestätigt. Anfang März erfolgte außerdem bei Meppen der erstmalige Nachweis von zwei Wölfen durch Fotofallenaufnahmen. Ob es sich hierbei um ein neues Wolfspaar handelt, ist derzeit noch unklar. Auch im Naturschutzgebiet Die Lucie (Kreis Lüchow-Dannenberg) häufen sich die Hinweise auf ein neues territoriales Wolfsvorkommen: Hier wurde ein männlicher Nachkomme des Wolfsrudels von Niesky (Sachsen) mehrmals genetisch nachgewiesen.

Nicht bestätigen ließ sich, dass die seit letzten Sommer gemeldeten Sichtungen einzelner Tiere bei Scheeßel (Kreis Rotenburg) und Rosche (Kreis Uelzen) auf ein neues Vorkommen zurückzuführen sind.

Im Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement sind alle Tierhaltungsverbände sowie viele weitere Interessensverbände des ländliches Raumes vertreten.
Br

Mehr dazu: http://aktives-wolfsmanagement.de

 

„Wölfe müssen zu Menschen wieder auf Abstand bleiben“

Wird die Landesregierung einen anderen Umgang mit den Wölfen anstreben? Nach dem Gespräch mit Umweltminister Olaf Lies fragten wir Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers nach seinem Eindruck.

Was war das dringlichste Anliegen der Verbände im Gespräch mit Minister Lies?

Die rasche Ausbreitung der Wölfe verunsichert nicht nur Tierhalter, sondern auch Bewohner ländlicher Gebiete. Sie wollen die derzeitige Situation nicht länger erdulden und fordern einen anderen Umgang mit dem Wolf.

Gab es dafür im Ministerium Verständnis?

Minister Olaf Lies hat uns mit offenen Armen empfangen und versteht die Sorgen und Nöte unseres Aktionsbündnisses. Das werten wir als ermutigendes Signal.

Was hat er zugesagt und wo nimmt er die Tierhalter in die Pflicht?

Die Tierhalter ihrerseits müssen ihre Herden schützen, dabei sollen sie vom Land größtmögliche Unterstützung erhalten. Dieser Schutz lässt sich nicht in allen unseren Landesteilen realisieren. Zudem stoßen gerade die Leiter kleinerer Betriebe hier längst an ihre Grenzen.

Und wie sieht es im Schadensfall aus? Hier berichten Tierhalter immer wieder von umständlichen Verfahren.

Der Minister will den Tierhaltern hier deutlich entgegenkommen, der Ausgleich soll schneller und unbürokratischer gezahlt werden. Diese Forderung steht schon lange im Raum.

Wird Minister Lies auch die gesetzlichen Vorschriften zum strengen Schutzstatus des Wolfes lockern können?

Hier muss er sich natürlich mit Bund und EU abstimmen. Deshalb ist ein Informationsbesuch der Kommission sicher hilfreich. Die im Bündnis Aktives Wolfmanagement zusammengeschlossenen Verbände fordern klare Spielregeln, die auch einen Abschuss möglich machen. Wir wollen nicht nur die Möglichkeit zur Regulierung erhalten, sondern dem Wolf die Nähe zum Menschen abgewöhnen. Er muss Siedlungen und Tierhaltungen wieder meiden.

Interview: Gabi von der Brelie

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