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Außer Erzeugerpreisen alles im Griff

10. März 2010


Kreislandvolkversammlung Niedersachsen ohne die Landwirtschaft kann Christian Wulff sich nicht vorstellen. Der Ministerpräsident sprach bei der Kreislandvolkversammlung Oldenburg stolz über die Bedeutung des zweitwichtigsten Wirtschaftsfaktors des Bundeslandes, nach der Automobilindustrie.

Alle Probleme der Landwirtschaft habe die Politik im Griff, beteuerte Wulff den zahlreichen Zuhörern. Nur die niedrigen Erzeugerpreise machen dem Ministerpräsidenten Probleme. Er zeigte Verständnis für die Milchbauern, die sich im vergangenen Jahr gegen niedrige Milchauszahlungspreise auflehnten, machte aber auch deutlich: „Die Milchbauern können nicht nur demonstrieren, sie müssen auch investieren." Klugerweisen seien die Landwirte in der Region Oldenburg nicht rückwärtsgewandt und akzeptierten den Ausstieg aus der Milchquote. „Dieser Schritt muss überall als Chance wahrgenommen werden", forderte Wulff, „dann werden wir es hinkriegen, dass wir die Gewinner des Quotenausstiegs sein werden." Durch einen Selbstversorgungsgrad bei Milch von über 100 Prozent sei die deutsche Agrarwirtschaft auf Exporte angewiesen. Diese zu fördern statt Protektionismus zu betreiben, legte er den Landwirten nahe. „Bereits jetzt sind ein Sechstel der niedersächsischen Exporte Lebensmittel", verkündete Wulff stolz.

Zur Begrüßung sprach Jürgen Seeger deutliche Worte. Der Kreislandwirt konfrontierte den Ministerpräsidenten mit Problemen, die die Politik nach Ansicht der Landwirte in seiner Region nicht im Griff habe. Besonders die Milchbauern aber auch alle anderen Landwirte bräuchten die Möglichkeit der steuerfreien Risikoausgleichsrücklage, um ihre Betriebe auf den volatilen Märkten besser zu schützen. „Rund um Oldenburg hängt jeder neunte Arbeitsplatz direkt oder indirekt mit der Landwirtschaft zusammen", machte Seeger auf die Bedeutung der Branche aufmerksam. In Kürze werden die meisten deutschen Puten im Landkreis Oldenburg geschlachtet und durch die Tierproduktion sei die Region recht krisensicher, sagte Seeger. Doch die immer größeren Bauvorhaben bringen auch Schwierigkeiten mit sich. „Noch befindet sich das Wachstum im Landkreis in einem vernünftigen Rahmen, unterschiedliche Sichtweisen müssen jedoch zugelassen und auch diskutiert werden", stellte der Kreislandwirt klar.

Auch wenn die Landwirtschaft im Landkreis Oldenburg sehr wettbewerbsfähig sei, die Zweckentfremdung der Direktzahlungen über Modulation oder Umschichtung in die zweite Säule müsse dennoch gestoppt werden, forderte Seeger. Das Geld werde für den Fortbestand der Höfe benötigt, wenn dort zu Weltmarktpreisen produziert werden soll.

Ehrlichkeit und Direktheit sei Wulff in diesem Landstrich gewohnt. „Hier leben selbstbewusste Menschen." Das kenne er, und das wisse er sehr zu schätzen. Die motivierten und hoch engagierten Landwirte leisteten hier mit ihren kleinen oder großen, konventionellen oder ökologischen Betrieben Großes. Daraus ergebe sich auch eine starke vor- und nachgelagerte Industrie.

Wulff ging auf einige der von Seeger angesprochenen Probleme ein. „Der Erhalt der ersten Säule wird ein harter Kampf", machte der Ministerpräsident deutlich. Er habe sich jedoch unter anderem mit dem Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen und mit den Präsidenten des deutschen und niedersächsischen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner und Werner Hilse, abgestimmt. Gemeinsam wollen und müssen sie durchsetzen, dass eine leistungsfähige Landwirtschaft in Niedersachsen erhalten bleibe. Eine Lösung für die von vielen als unfair empfundene Wettbewerbssituation durch die Biogasförderung möchte der Ministerpräsident vor Ort suchen. Dafür regt er eine Debatte mit Kommunen und örtlichen Verantwortungsträgern an.

Besonders am Herzen liegt dem Osnabrücker der Nachwuchs. Ein Problem sieht Wulff jedoch beim Nachwuchs der landwirtschaftlichen Fachkräfte. Technischer Fortschritt und ein steigender Anspruch an landwirtschaftliche Beschäftigte zeichne sich deutlich ab. Eine „Informationsgeleitete Präszisionslandwirtschaft" erfordere eine exzellente Ausbildung für diejenigen, die mit Natur und Technik arbeiten sollen. Wulff befürchtet auf Grund geburtenschwacher Jahrgänge einen Fachkräftemangel, dem die Branche frühzeitig entgegenwirken müsse. Ein großer Schritt sei der Ausbildungspakt, an dem auch das niedersächsische Landvolk beteiligt ist.

Begeistert zeigte sich der Ministerpräsident über ein Projekt der Oldenburger Landfrauen: das Schulfrühstück. Dabei wurde im vergangenen Jahr 5.600 Schüler an 34 Schulen im Kreis ein gesundes Frühstück angeboten. Einige Schulen haben dies anschließend als dauerhaftes Angebot eingeführt. Die Schüler Morgens und Mittags in der Schule zu verpflegen sei aber organisatorisch und finanziell dauerhaft nicht möglich und auch nicht sinnvoll, lenkte Wulff ein. Er möchte lieber bei den Familien einhaken und eine gute Ernährung bereits im Elternhaus sichern. „Das ist nicht nur gesünder als Fast Food, das ist auch billiger", betonte er.

Den Menschen müsse der Wert der Lebensmittel wieder klar sein, forderte Wulff und sprach sich deutlich für höhere Erzeugerpreise aus. Die Politik könne die Preise zwar nicht beeinflussen, sie kann jedoch den Rahmen für das nötige Vertrauen schaffen.
Heike Marheineke

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