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Bürokratie schreckt ab, Herkunft nicht

12. Juni 2017

Foto: Molsen

L P D – Grundsätzlich sind die meisten Landwirte bereit, Asylbewerber und Flüchtlinge auf ihren Höfen zu beschäftigen und ihnen durch Qualifikation eine berufliche Perspektive zu geben. Die Hürde bei der Einstellung ist weniger die Herkunft als vielmehr die Bürokratie. Dazu zählen die Dokumentation zum Mindestlohn, die Arbeitserlaubnis oder das Einstellungsverfahren. Die Edmund-Rehwinkel-Stiftung  hat die Thematik in einem Symposium aufgearbeitet und die Ergebnisse in ihrer Schriftenreihe unter dem Titel „Arbeitsmarkt, Ausbildung, Migration: Perspektiven für die Landwirtschaft“ veröffentlicht. Dr. Matthias Heyder von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Prof. Dr. Dirk Plickat von der Ostfalia Hochschule kommen aufgrund einer Befragung von 113 Landwirten und potenziellen Arbeitgebern im Landkreis Uelzen zu einer interessanten Aussage: Landwirtschaft ist flexibler, pro-aktiver und aufgeschlossener als manche urbane Region bei der Entwicklung von Strategien zur verträglichen Gestaltung sozialen und technologischen Wandels. „Die Betriebe haben grundsätzlich keine Berührungsängste, 75 Prozent der Betriebsleiter würden Flüchtlinge als ständige Arbeitskräfte beschäftigen, 90 Prozent als nicht-ständige“, erläutert Heyder. Die Beschäftigung von Ausländern sei schließlich seit Jahrzehnten Praxis in der Landwirtschaft.

„Das größte Hemmnis für die tatsächliche Beschäftigung bleibt leider die Bürokratie“, sagt Heyder. Die Landwirte beklagten mangelnde Rechtssicherheit und ständig wechselnde Zuständigkeiten. Aber auch fehlende Mobilität und die räumliche Nähe von arbeitssuchenden Flüchtlingen und der Landwirte seien ein Problem, geringe Sprachkenntnisse und fehlende Qualifikationen zählen ebenfalls dazu. „Wir stellen aber ein zunehmendes Interesse der Landwirte fest, Geflüchtete einzustellen und sie bei der nötigen Qualifikation zu unterstützen. Das liegt auch daran, dass die Fachkräftethematik auf den Betrieben angekommen ist und viele dringend gute Mitarbeiter suchen“, hat Heyder festgestellt. In der Landwirte-Befragung wird deutlich, dass die Zuverlässigkeit bei den Eigenschaften der Arbeitnehmer oberste Priorität hat. Heyder empfiehlt, Unterstützungsstrukturen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf- und weiter auszubauen. So könnten das Zusammentreffen und die langfristige Bindung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern leichter gelingen. Die Landwirtschafskammer geht mit gutem Beispiel voran und hat seit dem 1. April eine Willkommenslotsin, die bürokratische, sprachliche und kulturelle Hürden beseitigen hilft. (LPD 42/2017)

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