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Trockenheit bedroht Existenzen

02. August 2018

Foto: Landvolk

Dürre Staubtrockene Böden, verdorrte Pflanzen, magere Ernten – die Folgen der ungewöhnlichen Hitze sind mit Händen zu greifen. Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke sieht die Landwirtschaft von starken Ernteeinbußen betroffen.

Die enormen Verluste können einzelne Betriebe in ihrer Existenz gefährden, warnte Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke am Dienstag vor Journalisten in Hannover. Mit anhaltender Trockenheit und Hitze egalisiere sich die Betroffenheit, sagte er. Zunächst seien die Ackerbauern im Nordosten des Landes stärker betroffen gewesen, jetzt gelte dies für den Westen des Landes. Sorgen bereitet ihm die mehr als angespannte Situation der Futterbaubetriebe: „Die Weiden sind braun, die Futtervorräte weitgehend aufgebraucht, der Mais leidet jetzt auch“, schilderte er. Bislang richteten sich die Erwartungen der Rinderhalter auf die Futterpflanze, die schnell viel Masse liefert und Trockenheit und Wärme weitgehend gut verkraftet, auch diese Hoffnung gehe dahin.

Deutliche Ertragseinbußen gab es bereits bei der Getreideernte, die Ende Juli weitgehend abgeschlossen war. Mit rund 3,7 Mio. t wird sie so gering ausfallen wie seit Jahrzehnten nicht, das Minus liegt bei gut einem Drittel gegenüber dem ebenfalls schlechten Vorjahr. Bei Kartoffeln und Zuckerrüben sind ebenso wie bei Mais deutliche Einbußen nicht mehr auszugleichen, Regen wäre hier trotzdem dringend nötig. „Regional haben wir deutliche Unterschiede, auch von Betrieb zu Betrieb ist die Betroffenheit unterschiedlich hoch“, machte der Landvolkpräsident deutlich.
Mit Blick auf die Futterknappheit appelliert er an alle Landwirte, jede noch mobilisierbare Futterreserve in der Tierhaltung zu nutzen. Besondere Betroffenheit sieht er auf den Ökobetrieben bei der Raufutterversorgung. Schnelle Hilfe könnte die Nutzung von 200.000 ha Greeningflächen bieten, dazu benötigen die Landwirte deren Freigabe. Auch die Nutzung zusätzlicher Wasserkontingente sowie eine unbürokratische Genehmigung des Grünlandumbruchs zur Neuansaat könnte die größte Not etwas abmildern.

Als weitere Hilfsangebote zur Bewältigung von Liquiditätsengpässen nennt Schulte to Brinke die möglichst zeitige Auszahlung der EU-Direktzahlungen, Steuerstundungen mit Verzicht auf Zinszahlungen an die Finanzämter sowie schließlich Notstandsbeihilfen für existenziell gefährdete Höfe. Aber auch Lebensmitteleinzelhandel und Verbraucher könnten nach dem Motto „regional ist erste Wahl“ ihren Beitrag leisten. Preissteigerungen, die mit der Dürre begründet werden, kämen bei den Erzeugern kaum an.

Langfristig nehmen die Landwirte die Herausforderungen des Klimawandels an, z.B. durch Anpassungen der Fruchtfolge und Bodenbearbeitung. Dazu wäre beispielsweise auch die ideologiefreie Nutzung neuer Züchtungsmethoden notwendig.
Parallel zu der Pressekonferenz des Landvolkes begannen in Berlin Gespräche zwischen Bund und Ländern zu staatlichen Dürrehilfen. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), war am Wochenende mit Forderungen nach einer Mrd. Euro als Ausgleich für die enormen Dürreschäden in den Medien zitiert worden. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil bekundete in Interviews Verständnis für die Not der Bauern, sah aber den Bund in der Pflicht. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will die offiziellen Erntedaten Ende August abwarten und dann entscheiden. Landvolk und DBV fordern, die Weichen für mögliche Hilfe jetzt so zeitig wie möglich zu stellen.
Br

Dürre und ihre Folgen

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