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Das Unkräuter, Schadinsekten und Krankheiten auf dem Acker die Erträge, die Qualität und den Ernteaufwand der angebauten Kultur negativ beeinflussen, ist vielleicht noch dem Gartenfreund bewusst, großen Bevölkerungsschichten aber schon nicht mehr. Andere Vorteile z. B. der chemischen Unkrautregulierung für den Schutz vor Erosion, für den Klimaschutz oder auch nur für die Erzeugungskosten sind noch weniger bekannt oder haben kaum noch gesellschaftliches Gewicht. Hinsichtlich der bestehenden Alternativen wie die mechanische Unkrautregulierung mit Striegel und Hacke, sprechen aus Sicht der konventionellen Landwirtschaft heute immer noch einige Punkte für den Einsatz der chemischen Unkrautregulierung im Speziellen und des chemischen Pflanzenschutzes allgemein:

Effizienz Der Einsatz von Herbiziden ist im Vergleich zu alternativen Unkrautregulierungsmaßnahmen weniger arbeits- und zeitintensiv und damit auch kostengünstiger bei höherer Wirksamkeit der Unkrautbekämpfung. So muss beispielsweise beim Mais oft nur einmal gegen Unkräuter gespritzt werden (mit Arbeitsbreiten von 15m bis 30m), wohingegen für die rein mechanische Unkrautregulierung über Hacke und Striegel drei bis vier Arbeitsgänge nötig sind (mit Arbeitsbreiten von 6m bis 15m). Bei Befall von Schadinsekten und Krankheiten gibt es keine in der Wirksamkeit gleichwertige Alternative zum chemischen Pflanzenschutz.

Ertrags- und Qualitätssicherung Chemische Pflanzenschutzmittel helfen unsere Pflanzen vor Krankheiten, Schadinsekten und Konkurrenz durch Unkräuter zu schützen. So ermöglichen sie eine ertragsmäßig höhere Nahrungsmittelerzeugung in bester Qualität zu vertretbaren Preisen für jedermann. Die mit Hilfe des Pflanzenschutzmitteleinsatzes erzielten hohen Erträge sorgen für eine hohe Flächeneffizienz der Lebensmittelproduktion. Für Länder mit einer geringen Nutzfläche pro Kopf kann so eine hohe Eigenversorgung gesichert werden. Bei steigender Weltbevölkerung und entsprechender Nahrungsmittelnachfrage ist dies unverzichtbar, um nicht in zu große Abhängigkeiten zu geraten.

Umwelt- und Bodenschonung Höhere Erträge und Ertragssicherheit ermöglichen es, trotz global steigender Nahrungsmittelnachfrage ökologisch wertvolles Nichtkulturland vor der Kultivierung zu bewahren. Darüber hinaus vereinfacht die chemische Unkrautregulierung – z.B. über den Wirkstoff Glyphosat – die konservierende Bodenbearbeitung durch Mulch- und Direktsaatverfahren. Dabei wird auf eine Bodenwendung durch den Pflug verzichtet und die Pflanzenreste der Vorfrucht verbleiben auf dem Feld, wodurch langfristig der Humusanteil gesteigert werden kann. Verbessertes Wasserhaltevermögen, eine fruchtbare Bodenstruktur und Schutz vor Erosion sind die Folge. Darüber freut sich nicht nur den Landwirt, sondern auch Bodenorganismen, Maulwürfe und Regenwürmer. Bodenbrütende Vögel oder Käfer werden durch die Überfahrt mit einer Feldspritze weniger beeinflusst, als wenn Unkräutern mit wiederholter mechanischer Bodenbearbeitung oder gar thermischer Behandlung (z.B. durch Abflammen) zu Leibe gerückt wird.  

Klimaschonung Herbizid-Behandlungen zur konservierenden Bodenbearbeitung führen durch Treibstoffeinsparungen gegenüber dem Einsatz von Pflug, Hacke und Striegel zu einer Verringerung des CO2-Ausstoßes und der resultierende Humusaufbau bindet Kohlenstoff im Boden.

Neben den genannten Punkten sprechen auch folgende Dinge für den Herbizid- und den Pflanzenschutzmitteleinsatz allgemein:

Sicherheit Die Pflanzenschutzmittelzulassung in Europa und Deutschland ist eine der strengsten weltweit. In einem zweistufigen Verfahren wird zunächst der Wirkstoff und dann das Pflanzenschutzmittel auf Wirksamkeit und Pflanzenverträglichkeit geprüft. Nur Stoffe und Mittel, deren ordnungsgemäße, professionelle Anwendung für Mensch, Tier und Umwelt unbedenklich und die biologisch abbaubar sind, erhalten eine befristete Zulassung. Zur Risikominimierung – um etwa die Exposition auf Nichtzielflächen oder -organismen zu vermeiden – erhält jedes Pflanzenschutzmittel verschiedene Anwendungsbestimmungen. So müssen beispielsweise gewisse Abstände zu Gewässern eingehalten werden oder manche Pflanzenschutzmittel in den Abendstunden ausgebracht werden, um Bestäuber zu schonen.  

Kompetenz Landwirte, die Pflanzenschutzmittel einsetzen wollen, müssen – im Gegensatz zum Heimgärtner – einen Sachkundenachweis erbringen und regelmäßig durch Fortbildungslehrgänge auffrischen, um nachzuweisen, dass sie Pflanzenschutzmittel sachgerecht, nutzbringend und sicher einsetzen. Auch die Feldspritzen müssen im einwandfreien Zustand sein und werden regelmäßig im sogenannten Spritzen-TÜV geprüft.

Verantwortung Chemische Verfahren sind neben der richtigen Sortenwahl, einer ausgewogenen Fruchtfolge, sowie physikalischer und biologischer Verfahren nur ein Baustein im integrierten Pflanzenschutz. Muss nach Abwägung aller wirkungsvollen, praktikablen und ökonomisch darstellbaren Möglichkeiten auf chemische Pflanzenschutzmittel zurückgegriffen werden, gilt immer: So wenig wie möglich, so viel wie nötig! Dabei versprechen unzählige Ideen und Entwicklungen wie Precision Farming, Einsatz von Nützlingen per Drohne, Einzelpflanzenbehandlung durch Roboter oder die Unkrautbeseitigung durch Lasertechnik Möglichkeiten, den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Denn chemischer Pflanzenschutz ist kein Selbstzweck: Wenn es wirkungsvolle und ökonomisch tragfähige Alternativen gibt, sind Landwirte gerne bereit sich anzupassen, um die Umweltauswirkungen der Lebensmittelerzeugung weiter zu minimieren. Ganz abstellen lassen sich Auswirkungen auf die Umwelt aber nicht. Außer wir hören auf Lebensmittel zu produzieren…