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Getreide nicht teurer als vor 25 Jahren

12. August 2019

Foto: Pascal Sturde Pro terra gbr

Trotz frühem Erntebeginn laufen die Mähdrescher noch im Süden und Norden  
L P D
- Die erste große Hitzewelle des Jahres Ende Juni hat einen sehr zeitigen Start in die Getreideernte verursacht. Jetzt steht für die Ernteteams der Landwirte in Zusammenarbeit mit Lohnunternehmen und Maschinenringen der Endspurt bevor. „Landesweit wird die Ernte nicht früher abgeschlossen als in anderen Jahren“, fasst Landvolkvizepräsident Ulrich Löhr zusammen. Insbesondere in den klassischen Späterntegebieten in den südlichen Mittelgebirgslagen des Landes sowie an der Küste haben die Mähdrescher noch einige Felder abzuernten. Der Ertrag dürfte allenfalls durchschnittliche Erwartungen bestätigen. Diese Einschätzung des Verbandes belegen inzwischen auch Prognosen des Landesamtes für Statistik. Es geht für Niedersachsen von einer Getreideernte in Höhe von etwa sechs Mio. Tonnen (t) aus. Dieser Wert liegt zwar deutlich über dem witterungsbedingt historisch niedrigen Ernteergebnis des Vorjahres mit nur 4,7 Mio. t Getreide. Aber das Ertragsniveau reicht auch nicht an den Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2017 heran, sondern liebt etwa um sechs Prozent darunter. Das höhere Ergebnis des aktuellen Jahres resultiert auch aus der wieder größeren Anbaufläche für Winterweizen, er musste 2018 aufgrund schwieriger Aussaatbedingungen häufig durch den ertragsschwächeren Sommerweizen ersetzt werden.

An den Märkten wirkt sich die geringere Erntemenge zumindest bisher noch nicht aus. Die Landwirte erhalten aktuell allenfalls Preise, die gerade ihre Kosten decken. Das Preisniveau liegt inflationsbereinigt nach den Daten des Landesamtes für Statistik auf dem Niveau des Jahres 1993, ist also nicht teurer als vor 26 Jahren. In dem Jahr hat die EU ihre erste große Agrarreform, die sogenannte McSharry-Reform, auf den Weg gebracht und einen grundlegenden Systemwechsel vollzogen. Die Preisstützung wurde aufgegeben, die Erzeugerpreise auch der hiesigen Landwirte orientieren sich nun am Weltmarkt. Da Bauern hierzulande aber mit deutlich höheren Kosten kalkulieren müssen, gibt es die Ausgleichszahlungen in Form der Direktbeihilfen. Sie werden in diesem Jahr erneut die Einkommen der Landwirte absichern müssen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher hingegen können sich weiter über die EU-weit günstigsten Lebensmittelpreise freuen. Selbst die starken Ertragseinbrüche des Vorjahres haben nahezu keinen Einfluss auf die Verbraucherpreise gezeigt. (LPD 60/2019)

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