Dem Schwarzwild an die Schwarte

Dem Schwarzwild an die Schwarte -
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Seuchenschutz Das Land bereitet sich auf den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Niedersachsen vor. 3,5 Millionen Euro werden dafür zusätzlich aufgebracht. Ein Teil soll Jäger unterstützen, Wildschweinbestände auszudünnen.

Für Landwirtschaftsministerin Barabara Otte-Kinast ist es keine Frage mehr, ob die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch Niedersachsen erreicht. „Wir wissen nicht wann und wir wissen nicht wo, aber dass sie kommt, davon gehen wir ernsthaft aus“, sagte die CDU-Politikerin in der vorigen Woche vor dem Agrarausschuss des Landtages. Um vorbeugende Maßnahmen finanzieren zu können, beantragte die Ministerin 3,5 Millionen Euro aus dem Nachtragshaushalt der neuen Regierung.

Größere Strecke belohnt

Das Geld soll in erster Linie verwendet werden, um die Wildschweinbestände durch intensiveres Bejagen zu verringern. Bricht die Seuche bei Wildschweinen aus, vergrößert sich schlagartig die Gefahr, dass der hochpathogene Virus auch auf Hausschweine überspringt. Da in Niedersachsen rund acht Millionen Schweine gehalten werden, droht im Seuchenfall laut Otte-Kinast „ein Schaden in Milliardenhöhe“. Um die Wildschweine als Überträger der Seuche in ihrem Bestand zu reduzieren, will das Agrarministerium folgendermaßen vorgehen: Jäger, die mehr Schwarzwild erlegen als bisher, erhalten 50 Euro Aufwandsentschädigung pro Tier. Dafür wird zunächst die bisherige Zahl der erlegten Wildschweine genau ermittelt. Für den Einsatz von Hunden bei Drückjagden soll es 25 Euro pro Hund Zuschuss geben.

Außerdem plant das Land, für vier Jahre einen Berufsjäger einzustellen. Er soll Jäger bei Informationsveranstaltungen unterweisen, wie Wildschweine in großen Kastenfallen – sogenannten Saufängen – gefangen und erlegt werden können.

Darüber hinaus will das Land fünf Container anschaffen, in denen verendete Wildschweine sicher gesammelt und entsorgt werden können. Für den Umgang mit der Technik werden fünf Bergeteams aufgestellt und ausgerüstet. Bereits unter Otte-Kinasts Vorgänger Christian Meyer (Grüne) hatten Mitarbeiter der Landes an einer Übung zum Umgang mit der Afrikanischen Schweinepest teilgenommen.

Gerade für Niedersachsen ist das Risiko hoch, dass der Erreger über Transitreisende aus den Seuchengebieten – dem östlichen Polen, dem Baltikum, Russland, Weissrussland und der Ukraine – eingeschleppt werden. Touristen und Lastwagen-Fahrer könnten das hochansteckende Virus in Lebensmitteln mitbringen. Weggeworfene Essensreste an Rastplätzen sind willkommenes Futter für Wildschweine. Da die Seuche bisher häufig in kleinen Hofhaltungen auftrat, ist es nicht ausgeschlossen, dass erkrankte Tiere bei ersten Symptomen geschlachtet und verarbeitet werden. Auch Sasionkräfte, die zum Beispiel in absehbarer Zeit zur Spargelernte anreisen, müssen über die Risiken aufgeklärt werden.

Leichter gesagt als getan

In der Jägerschaft selbst bremst man indes zu hohe Erwartungen. Einfach mehr jagen und die Gefahr wird gebannt? Helmut Blauth, stellvertretender Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN), wies im NDR darauf hin, dass im Land bereits rund 50.000 Wildschweine pro Jahr erlegt werden. Trotzdem gelingt es nicht, mit dem Wachstum der Schwarzwildbestände Schritt zu halten. Wildschweine breiten sich seit Jahren rasant aus. Ursachen sind milde Winter ebenso wie der großflächige Anbau von Mais und Raps. Dennoch bezeichnete auch LJN-Vize Blauth die verstärkte Bejagung als richtig: Nur, wenn man die Population ausdünne, lasse sich die Seuche eindämmen.
red/AgE/dpa