Selbstcheck gibt Landwirte Sicherheit

Selbstcheck gibt Landwirte Sicherheit - (v.l.) Gert Lüschow
(v.l.) Gert Lüschow

Nachhaltigkeit Die Lebensmittelindustrie greift auf, was dem Zeitgeist entspricht. Sie möchte den Kunden nachhaltig erzeugte Lebensmittel anbieten. Ob ein landwirtschaftlicher Betrieb diese Forderung erfüllt, lässt sich allerdings nicht so leicht beantworten.

Welche Kriterien müssen eingehalten werden, welche Aspekte werden bei der Beurteilung herangezogen? „Wir haben immer traditionsgemäß gedacht und unsere Tradition als Nachhaltigkeit angesehen“, verdeutlichte Landvolkpräsident Werner Hilse. Im Zuge des Strukturwandels in der Landwirtschaft und der Spezialisierung der Betriebe werde nun aber auch der Beweis dafür von der Lebensmittelindustrie gefordert. Die Präsidenten und Vorsitzenden der Trägergemeinschaften des „Grünen Zentrums“ stellten beim Getreidetag in Sulingen am vergangenen Mittwoch deshalb den Nachhaltigkeitscheck Landwirtschaft (NaLa) vor. Landvolk, Landwirtschaftskammer, Landberatung und die beiden Landfrauenverbände in Niedersachsen haben einen Fragenkatalog zusammengestellt, der den Landwirten einen Spiegel vorhält.

„Wo stehe ich?“, diese Frage soll der freiwillige Online-Check beantworten. Marktpartner können ihn als Grundmodul in ihre eigenen Nachhaltigkeitssysteme integrieren, sobald dieses einmal erforderlich werden sollte.  Der Check ist kompatibel zu anderen weltweit angewandten Systemen (z.B. SAI). Er orientiert sich an der Einteilung von Nachhaltigkeitsindikatoren in die Bereiche Umwelt und Tierwohl, Wirtschaftlichkeit sowie Arbeits- und Lebensbedingungen (Ökologie, Ökonomie und Soziales). Das Ergebnis ist nicht eine weitere Zertifizierung, sondern dient der Selbsteinschätzung des Landwirts. Er kann Ergebnisse aus QS- oder QM-Audits, aus dem Betriebsvergleich oder anderen Zertifizierungen heranziehen. „Die sozialen Fragen sind bisher in keinem anderen Fragebogen gestellt worden“, erklärte Ansgar Lasar, Klimabeauftragter der Landwirtschaftskammer, sie sollen dem Landwirt die eigene und die Arbeitsbelastung der Familie und der Mitarbeiter vor Augen führen. „Darüber machen sich die meisten Menschen überhaupt keine Gedanken, doch auch mit der eigenen Kraft müssen Landwirte nachhaltig umgehen“, verdeutlichte Lasar.

Die freiwillige Selbsteinschätzung soll langfristig als Bewertung für die Marktpartner ausreichen, um die Produkte als nachhaltig produziert zertifizieren zu lassen. Sie soll den Landwirten zudem eine eigene Nachhaltigkeitszertifizierung für alle Produktionszweige ersparen.

„Wir sind Bauern und keine Verwaltungsfachangestellten“, betonte Jürgen Hirschfeld. Der Vorsitzende des Pflanzenbauausschusses im Landvolk Niedersachsen forderte die Landwirte auf, selbst aktiv zu werden, bevor die Industrie ihre eigene Zertifizierung fordere. „Die Wirtschaft hat sich bereits auf dem Weg gemacht, wir müssen die Bürokratie so weit wie möglich einschränken“, sagte auch der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Gerhard Schwetje. Auch Hilse hält das für den richtigen Weg: „Wir wollen das Tempo und die Richtung mit bestimmen“, erklärte er.

Der Online-Fragebogen kann im Mitgliederbereich auf der Homepage des Landvolks Niedersachsen unter www.landvolk.net abgerufen werden.
Heike Bollmann