Landvolktag 2020

Foto: Conrad

Ein Schlepper empfing die Besucher des Landvolktags 2020 vor dem Hotel Rahenkamp.
Drinnen wurden die Landwirtinnen und Landwirte durch den Vorsitzenden des HOL, Albert Schulte to Brinke, begrüßt.
Landräting, Anna Kebschull, sprach ein Grußwort. Sie bekräftigte die Landwirte in ihrer Arbeit und dankte für die qualitativ hochwertigen Lebensmittel und den Luxus, den sie mit ihrem Schaffen ermöglichen.
Sie plädierte dafür, Bauern nicht allein für aktuelle Probleme verantwortlich zu machen. Die Herausforderungen müssten gesamtgesellschaftlich angegangen werden. Lösungen für eine nachhaltigere und digitalisierte Landwirtschaft können nur gemeinsam mit den Bauern gefunden werden, sagte sie. Die Landrätin fordert eine sachliche Debatte, die zunächst einmal Grundsätzliches klären müsse, wie faire Preise, das Ansehen der Landwirtschaft, Regionalität und Betriebsstrukturen.
Der geforderte Wandel in den Betriebsstrukturen überfordert viele Familien. Verantwortlich dafür sind auch die Rahmenbedingungen, wie bspw. die Wasserrahmenrichtlinie, die nun viel zu spät angepasst worden sei und so umso radikaler ausfällt.
Gemeinsam mit den Landwirten möchte die Kebschull die Landwirtschaft im Landkreis Osnabrück zukunftsfähig aufstellen.

In seinem Jahresbericht stellte Albert Schulte to Brinke die Themen Düngeverordnung und Richtlinien für die Nutztierhaltung in den Vordergrund. Erneut verlangte er, die Düngeverordnung aus dem Jahr 2017 erst einmal wirken zu lassen. Die Nutztierhaltungsstrategie liefere noch keine Lösungen für die Umstrukturierungen in der Tierhaltung. Die Frage bleibt: Wie soll der Stall der Zukunft aussehen?
Schulte to Brinke betonte, dass die Landwirte die Verantwortung für die Probleme übernehmen, für die sie verantwortlich sind, nicht aber für mehr.
Der Vorsitzende stellte klar, dass die Berichterstattung der von Landwirten häufig kritisch betrachteten Medien insgesamt ausgeglichen sei. „Wir müssen gelassener werden“, forderte Schulte to Brinke seine Berufskollegen auf.
„Wir leben in der besten aller Zeiten. Wir haben viele Gestaltungsmöglichkeiten, für die wir eine starke Verbandsarbeit benötigen“, schloss er seine Ansprache.

Wechsel in der Geschäftsführung

Im Anschluss verabschiedete sich Martin Andrees offiziell aus der hauptamtlichen Geschäftsführung. An seine Stelle sind Nadin Wöstmann und Stefanie Fuchs gerückt. Letztere hat sich in ihrer Probezeit allerdings vom Verband getrennt. Diese Stelle übernimmt nun Friedrich Brinkmann, der bislang als Referent der Geschäftsführung tätig ist. Er übernimmt die agrarpolitischen Anliegen des Verbands.
Herr Rechtsanwalt Martin Andrees, der 27 Jahre als Geschäftsführer des HOL tätig ist, wird der neuen Geschäftsführung bis zum Sommer dieses Jahres beratend zur Seite stehen. Danach wird er die Projekte der Landvolkdienste GmbH begleiten und zu Ende führen und sich dann in den Ruhestand verabschieden.
Friedrich Brinkmann, der das Wort von Martin Andrees übernahm, bedankte sich zunächst beim HOL-Vorstand für das ihm entgegengebrachte Vertrauen, das es ihm ermöglicht, nun die Geschäftsführung anzutreten. Brinkmann erläuterte die aktuell zentralen Aufgaben des HOL. Beispielhaft nannte er die 380-KV-Leitung, Wasserschutzkooperationen, Veranstaltungen für das Junge Landvolk und die Arbeit der Initiative „Echt grün – eure Landwirte“, die aktuell die Aktion Bienenfreundlicher Landwirt durchführt, an der jedermann teilnehmen kann.

Protestaktionen als Konfliktmanagement? – Spannungsfelder der gegenwärtigen Agrarkommunikation

Den Hauptbeitrag zur Veranstaltung leistete Prof. Dr. Matthias Kussin, der an der Hochschule Osnabrück die Professur für Medien- und CSR-Kommunikation an der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur innehat.
Zu Beginn seines Vortrags zeigte Kussin Bilder von den Bauerndemos der vergangenen Zeit. Er dröselte die verschiedenen Forderungen, die auf Schildern und Plakaten festgehalten sind, auf. Oft sprechen die Schilder viele verschiedene Themen an. Dabei stellen die Landwirte ihre Forderungen auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Das Verlangen nach Anerkennung für ihren Beruf bewegt sich auf der moralischen Ebene, so Kussin. Der Aufruf zu fairen Preisen bezieht sich stattdessen auf die ökonomische Ebene. Viele Forderungen sind der politischen Ebene zuzuordnen. Politische und ökonomische Belange sind einfacher umzusetzen als die Forderung nach Anerkennung in der Gesellschaft, stellte der Professor dar. Die zentrale Frage: Wer ist überhaupt die Gesellschaft? Mit ihren Protestaktionen stellen sich die Bauern außerhalb der Gesellschaft auf und üben Kritik an ihr. Dabei vergessen sie, dass sie selbst Teil der Gesamtgesellschaft sind, betonte Prof. Kussin. Mit den Bauernprotesten werden die Landwirte wahrgenommen. Das Vermitteln von Botschaften allein durch Demonstrationen bleibt aber schwierig. Sie beantworten nicht die Fragen danach, wie Probleme behoben und die Anforderungen der Bauern behandelt werden sollen. Hier muss der Schulterschluss mit der Verbandsarbeit folgen. Denn die diversen Anforderungen verlangen unterschiedliche Herangehensweisen. So können politische und ökonomische Forderungen vom Verband angegangen werden. Zu Anerkennung können vor allem direkte Gespräche mit dem Verbraucher führen.
Im ersten Kommunikationsschritt muss die Landwirtschaft vermitteln, dass es kein „weiter so“ gibt, sondern sie bereit ist, Veränderungen anzugehen – auch wenn Deutschland die beste Tierhaltung, das sauberste Wasser uvm. bietet. Innerhalb der Branche sieht die Landwirtschaft ihren Sonderstatus. Der wird aber von der Gesellschaft nicht wiedergespiegelt. Kussin appelliert an die Bauern: Die Landwirtschaft nimmt zwar eine besondere Rolle ein, die Bauern dürften sich gegenüber anderen aber nicht als etwas Besseres darstellen. Jede Branche leistet einen wertvollen Beitrag für die Gesamtgesellschaft, verdeutlicht der Referent. Der Bürger sieht den Beruf des Landwirts und den Stadt-Land-Konflikt nicht als großes Problem. Der Landwirtschaft empfiehlt Prof. Kussin, sich weniger auf den Stadt-Land-Konflikt, sondern viel mehr auf den Gegenwart-Zukunfts-Konflikt zu konzentrieren.

Der neue stellvertretende Vorsitzende, Dirk Westrup, rundete die Veranstaltung mit einer Zusammenfassung ab und dankte den Rednern.