LHV zu den Protesten der Landwirte

Von links nach rechts: Manfred Tannen, Klaus Borde, Günter Lüken, Hartwig Frühling und Carl Noosten. (Fotograf: Ziegler)

„Der Frust auf vielen unserer landwirtschaftlichen Höfe wächst weiter: Immer mehr neue Anforderungen seitens Politik, Handel und Verbraucher kommen auf sie zu, aber kein Vorschlag, wie das bei der Erzeugerpreislage von den Betrieben gestemmt werden kann. Dürrephasen, Tierseuchen oder Gänse- und Mäuseschäden sorgen zusätzlich für Druck auf den Betrieben.“ fasst Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland e. V. (LHV), sorgenvoll die Gemütslage vieler Landwirte und die Gründe für die Proteste zusammen.

Begleitend zu den Protesten ist eine Vielzahl an Forderungen und Wünsche im Umlauf. Unklar sei, ob und wie die Adressaten ihnen nachkommen können oder wollen und inwieweit sie rechtlich umsetzbar sind. Es gibt jedoch durchaus auch umsetzbare Ideen und Vorschläge.

Für den LHV-Vorstand ist klar, dass die hohe Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) zu einem enormen Druck auf die erzeugenden und verarbeitenden Unternehmen führt. „Wir fragen uns, warum das Bundeskartellamt da nicht eingreift, warum es weitere Zusammenschlüsse im LEH zulässt wie ein zahnloser Tiger.“ ärgert sich der Auricher Kreisvorsitzende Hartwig Frühling. Kritisiert wird auch die Intransparenz der Preisbildung. Die zunehmend steigenden Handelsspannen des LEH spiegeln sich nicht im Portemonnaie der Landwirte wider. Daher lautet die Forderung, dass die UTP-Richtlinie der EU konsequent in ein nationales Gesetz gegen unlautere Handelspraktiken umgesetzt wird.

Die landwirtschaftlichen Verbände sind auf verschiedenen Ebenen unterwegs. „So fordert z. B. der Deutsche Bauernverband u.a. in seinen Gesprächen mit dem LEH, eine verbindliche Haltungs- und Herkunftskennzeichnung für heimische Ware bis in die Ladentheke.“ berichtet Carl Noosten, Vorsitzender im Landvolk Norden-Emden. In Deutschland gelten höhere und kostenintensivere Standards bei der Erzeugung von Lebensmitteln. Gegen die günstigere Produktion im Ausland können die hiesigen Landwirte nicht konkurrieren. Für den Konsumenten ist das nicht sichtbar. „Verbraucher kritisieren immer wieder, dass sie – gerade bei verarbeiteten Produkten – nicht erkennen, woher viele Produkte stammen und wie sie erzeugt wurden.“ erläutert der Leeraner Landvolkvorsitzende Klaus Borde. „Wir erwarten außerdem eine höhere Wertschätzung für Weidehaltung und Grünlandbewirtschaftung, die von der Gesellschaft ausdrücklich gewünscht wird.“ ergänzt Günter Lüken, Vorsitzender des Landvolks Wittmund.

Der LHV-Vorstand setzt auf Verbesserungen für die Landwirte. Viele engagieren sich derzeit dafür, vom einzelnen Landwirt bis hin zum Verband. Worten müssen endlich messbare Ergebnisse folgen.