PM: Bunte Farbpracht im grauen Herbst

Kreislandvolkverband Oldenburg, 20.11.2020

Normalerweise ist der Herbst grau und eintönig. Blühende Pflanzen sind nur noch selten. Doch auf vielen landwirtschaftlichen Flächen findet man im November eine bunte Blütenpracht. Landwirt Luka Schütte, der in Hollen auf dem elterlichen Betrieb arbeitet und die einjährige Fachschule besucht, erklärt, warum.

Frage: Luka, bei Euch vor dem Hof blühen einige Flächen gelb und weiß. Was ist das?

Luka: Das sind Zwischenfrüchte. Diese bauen wir auf den Flächen an, von denen wir im Sommer das Getreide geerntet haben.

Frage: Wie viele Hektar sind das?

Luka: In unserem Betrieb sind das ungefähr 25 Hektar.

Frage: Warum macht ihr das?

Luka: Wir können mit den Zwischenfrüchten die Ackerflächen ökologisch aufwerten. Über die Agrarförderung werden wir dabei unterstützt.

Frage: Aber ihr macht es sicherlich nicht nur, weil es gefördert wird?

Luka: Nein. Der Anbau von Zwischenfrüchten hat sehr viele Vorteile. Der Boden ist im Winter bedeckt und vor Erosion geschützt. Dies ist wichtig, damit uns die wertvolle Ackerkrume nicht vom Wind weggeweht wird. Außerdem durchwurzeln die Pflanzen den Boden und belüften ihn. Dadurch tragen die Pflanzen zu einem guten Bodensystem mit vielen Lebewesen bei. Zusätzlich werden die Nährstoffe im Boden gehalten und nicht ausgewaschen. Das dient dem Wasserschutz.

Frage: Welche Pflanzen baut ihr denn an?

Luka: Wir haben zwei Mischungen mit je vier Pflanzensorten: Gelb- und Weißsenf, Klee und Leindotter, sowie Rauhhafer, Phacelia, Wicke und Klee.

Frage: Und wie lange bleiben die Pflanzen dann auf dem Acker?

Luka: Diese Pflanzen sind nicht winterhart. Das heißt, sie verfrieren im Winter. So können wir im nächsten Frühjahr die Pflanzenreste in den Boden einarbeiten. Dadurch ergibt sich dann zusätzlich ein Vorteil: Der Humusaufbau wird gefördert und die Fruchtbarkeit des Bodens erhöht.

Frage: Findet ihr auch Tiere in diesen Zwischenfrüchten.

Luka: Oh ja. Sehr viele. Die Blüten werden von den Insekten genutzt, die in dieser Jahreszeit kaum noch Nahrung finden. Die Insekten wiederum ziehen Vögel an. Aber auch Tiere, die näher am Boden leben, nutzen den Blühstreifen als Rückzugsort und suchen sich hier Schutz. Wir können Fasane und Hasen beobachten.

Frage: Könnt ihr die Zwischenfrüchte nicht für euer Vieh nutzen?

Luka: Die Blühflächen wollen wir bewusst nicht dafür nutzen. Aber auf ein paar Flächen haben wir auch Ackergras nach der Getreideernte angebaut und können es jetzt noch zwei Mal ernten und als Futter für die Rinder verwenden. Aber diese Flächen werden nicht gefördert.

Frage: Was wird denn genau gefördert?

Luka: Maßgeblich der Anbau von blühenden Zwischenfrüchten, die nicht geerntet werden und rein der Artenvielfalt dienen. Das ist aber nebensächlich. Auch die nicht geförderten Flächen haben Vorteile wie Schutz vor Windersosion, Durchwurzelung und Nährstoffhalt.

Im Herbst/ Winter greifen wir landwirtschaftliche Themen auf, um die Bevölkerung zu informieren. Luka Schütte stand uns zu dem Thema „Zwischenfrüchte“ als Interviewpartner zur Verfügung. Haben Sie auch ein Thema, das für die Presse interessant sein könnte? Dann melden Sie sich bei uns!