Von nix kommt nix! Stellungnahme des KLV OL zur aktuellen Lage

4.12.2020

Von nichts, kommt nichts!
Stellungnahme des Kreislandvolkverbandes Oldenburg zum aktuellen Geschehen bezüglich der Schwarz
Gruppe (Lidl und Kaufland)
Die aktuellen Preisentwicklungen im Fleisch- und Milchsektor, einhergehend mit dem Stau der schlachtreifen
Schweine in den Stallungen durch die Corona bedingten Kapazitätseinschränkungen der Schlachtereien,
stellen Landwirte vor eine nicht zu bewältigende Katastrophe. Durch immer höhere Anforderungen, alleine
an die deutschen Betriebe, werden die Kosten in die Höhe getrieben. Das ist schon lange kein Spagat mehr,
sondern ein Absturz für die Betriebe. Der Markt nimmt Importware, bedingt durch niedrigere Einkaufspreise,
bevorzugt auf. Verzichtet aber gleichzeitig auf eine eindeutige Kennzeichnung der niedrigeren Standards für
Importware. Der Verbraucher ist somit nicht einmal in der Lage, auszuwählen.
Solche schlichtweg nicht zu lösenden Probleme treiben die Betriebe zu Recht auf die Straße. Das ist ein reiner
Überlebenskampf für die Betriebe. Die gestellten Forderungen nach gerechter Bezahlung sind mehr als
gerechtfertigt. Aktuell erhält ein Landwirt für ein Schlachtschwein insgesamt 120€ (1,19 € pro kg) Erlös.
Da sind weder Kosten für Futter noch für Ställe gedeckt, geschweige denn eine Entlohnung für die
Arbeitsstunden des Landwirts. Die Erlösverteilung ist für die Landwirtschaft ruinös. Um auf die Entlohnung
eines Facharbeiters zu kommen, müssen sich die Erlöse für die Landwirte um mind. 150% erhöhen. An der
Ladentheke wird das Schwein derzeit für rund das sieben Fache verkauft.
Die aktuell von Lidl angebotenen 50 Mio. €, in einen Fond für Tierwohl einzuzahlen, sind nicht mehr als ein
Almosen. Soviel verlieren die deutschen Landwirte allein in einer Woche im Schweinesektor. (siehe auch PM
DBV im Anhang). Geflügel und Milch sind zusätzlich noch von ähnlichen Problemen betroffen. Es müssen
faire Preise her; die zugesagten Geldbeträge werden sich möglicherweise in vielen Verwaltungsstrukturen
und Antragsverfahren weitestgehend selbst verbrauchen und damit den notleidenden Landwirten wenig
Hilfe bieten.
Wenn die Diskussion um die Zukunft der Landwirtschaft nicht endlich sachlich-, fachlich und wissenschaftlich
geführt wird, ist eine wirtschaftliche Lösung in Deutschland nicht möglich. Ideologische Argumentation ist
hier völlig fehl am Platz und ignoriert den Anspruch des Verbrauchers auf qualitativ hochwertige
Nahrungsprodukte, die Tier- und Umweltgerecht produziert werden. Importware hat aktuell überhaupt nicht
unser Niveau.
Wir Landwirte in Deutschland sind diejenigen, die klimaeffizientesten auf der Welt produzieren. Wenn es uns
nicht mehr gibt wird es auch nichts mit der Klimaneutralität. „Von nix kommt nix!“ so die abschließende Feststellung des Kreislandvolkvorsitzenden Detlef Kreye.