Zum Erntedank

Kommentar von Jörn Ehlers

In den vergangenen Jahren habe ich in diesem Erntedank-Rückblick die Situation auf den Höfen unserer Region beschrieben. Es ging oft um die Witterung des Jahres oder Preise für unsere Produkte und die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft. Obwohl auch in diesem Jahr genügend darüber zu schreiben wäre, möchte ich auf etwas Anderes aufmerksam machen. In den Familien meiner Berufskollegen ist die Stimmung auf einem Tiefpunkt angelangt. Sicherlich spielen die am Anfang genannten Faktoren hierbei eine Rolle. Entscheidender ist jedoch derzeit die Art und Weise, wie Teile unserer Gesellschaft mit dem Thema Landwirtschaft und Ernährung umgehen. Volker Hahn, ein Landwirt aus dem Raum Hannover, hat seine Gedanken hierzu in einem bemerkenswerten Text veröffentlicht:

Liebe Politiker, wir verstehen euch nicht mehr
Landwirtschaft ist einem ständigen Wandel, einer Weiterentwicklung, genau wie andere Branchen auch, unterworfen. Die Strukturen unseres örtlichen Handwerks, unserer Schlachter, der Bäckereien haben sich in den letzten Jahrzehnten ebenso verändert wie die der Landwirtschaft. Nicht jede Veränderung war rückblickend gut und so manches wünscht man sich, durch die rosarote Nostalgiebrille betrachtet, zurück. Uns Landwirten ist klar, dass es auch zukünftig eine andere Landwirtschaft geben wird als die, die wir heute kennen. Sie, als Leser dieses Textes und täglich mehrfacher Kunde unserer Produkte, sind für uns wichtigster Faktor unserer zukünftigen Wirtschaftsweise. An Ihren Bedürfnissen und Ihrem Geschmack haben wir uns zu orientieren. Weiterer wichtiger Faktor in unserer demokratischen Gesellschaft sind Spielregeln, denen wir uns auch als Landwirtschaft zu unterwerfen haben. Diese „Spielregel“ allerdings und die Art und Weise, worin sie begründet werden, verstehen wir Landwirte immer weniger. Wir stellen Widersprüchlichkeiten und ständige Veränderungen der Regeln im laufenden Spiel fest. Wir brauchen auch zukünftig eine Landwirtschaft, die regional verwurzelt ist, die ein Gesicht hat und mit der man sprechen kann. Wir müssen unsere jungen Hofnachfolger motivieren und zeigen, dass es sich lohnt und Anerkennung findet, jeden Tag für unser aller täglich Brot zu sorgen. Wir brauchen Politik, die mit uns Landwirten die Zukunft gestaltet und über Wahlperioden hinaus denkt. Und liebe Leser, wir brauchen Sie! Machen Sie sich Gedanken, nicht nur am heutigen Tag, über Ihre Mahlzeit und auch all die Menschen, die dafür Sorge getragen haben, dass sie bei Ihnen auf dem Tisch steht. Vielen Dank