Tierhaltung stärken, Versorgung sichern

Tierhaltung als wichtiger Faktor: Austausch zwischen DVT und Landvolk. Foto: Landvolk Niedersachsen

Landvolk und DVT fordern bessere Rahmenbedingungen

L P D – Die Zukunft der Tierhaltung in Niedersachsen und die Versorgung mit hochwertigem Futter standen im Mittelpunkt eines Austauschs zwischen dem Vorstand der Regionalgruppe Nord des Deutschen Verbands Tiernahrung (DVT) und dem Landvolk Niedersachsen. Beide Seiten verbindet das Ziel, die Tierhaltung als wichtigen Wirtschaftsfaktor für den ländlichen Raum leistungsfähig und zukunftsfest aufzustellen.

Mit Blick auf die Ernte 2026 verwies Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies auf die angespannte Versorgungslage in Europa: „Dieses Jahr wird jedes Korn gebraucht, auch wenn es etwas kleiner ist.“ Umso wichtiger seien zukünftig höhere Produktionsmengen und eine bessere Futterqualität. Gerade der Proteingehalt sei durch die stickstoffreduzierte Düngung gesunken. „Die Düngeverordnung muss deshalb stärker am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet werden“, forderte Hennies. Nur so ließen sich effiziente Futterproduktion und Selbstversorgung sichern.

Tierernährung ist gelebte Kreislaufwirtschaft, bei der als oberste Prämisse die Futtermittelsicherheit steht. „Wir sind auf regional erzeugte Rohstoffe angewiesen, um daraus hochwertige Futtermittel zu produzieren, die wieder in der Region gefüttert werden. Dies stärkt nicht nur die Wirtschaftskraft im ländlichen Raum, es trägt auch maßgeblich zu einer nachhaltigen Produktion bei“, betont DVT-Geschäftsführer Dr. Sebastean Schwarz.

„Wir müssen die Tierhaltung in Niedersachsen stärken, denn wir sind ein Gunststandort“, betonte Hennies. Leistungsfähige Landwirtschaft, heimische Futtermittelerzeugung, Fachkräfte und hohe Standards böten beste Voraussetzungen für eine effiziente Tierhaltung. Dafür brauche es weniger Bürokratie und schnellere Verfahren: Baurecht und Baugenehmigungen müssten vereinfacht und beschleunigt, Umweltauflagen im Rahmen von Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und „TA Luft“ praxistauglicher gestaltet werden.

Auch die Klimabilanzierung war Thema. Ziel sei eine schlanke und einheitliche Bilanzierung ohne zusätzlichen unnötigen Aufwand für Landwirtschaft und Futtermittelwirtschaft. Um dies zu erreichen, hat der DVT langfristig die umfassende Berechnung des ökologischen Fußabdrucks für Futtermittel vorbereitet und ist Mitglied im Global Feed LCA Institute (GFLI). Dr. Hermann-Josef Baaken, Sprecher der DVT-Geschäftsführung, erläutert: „Damit erhalten alle interessierten Mitgliedsunternehmen Zugang zu einer umfassenden Datenbank zur Lebenszyklusanalyse (LCA) von Futtermitteln. Die Daten ermöglichen eine international einheitliche Berechnung des Umwelt-Fußabdrucks und bieten eine belastbare Basis für fundierte Analysen, die eine objektive Vergleichbarkeit ermöglichen.“ Der DVT verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Erhebungen bei den Mitgliedern zu den positiven Auswirkungen einer Mehrphasenfütterung auf die Stickstoffausscheidung in der Schweine- und Hähnchenmast.

Bei Tierseuchen und Biosicherheit setzen beide Verbände auf Vorsorge. Eine wirksame Schadnagerbekämpfung müsse möglich bleiben und dürfe nicht durch Verbote eingeschränkt werden. Schließlich gehe es dabei um Lebensmittelsicherheit. Bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) müssten Handelshemmnisse schneller gelöst, die Vermarktung regional betroffener Ware bundeseinheitlich verbessert und Regionalisierungsabkommen mit Drittländern konsequenter genutzt werden. (LPD 67/2026)

Ansprechpartnerin: Silke Breustedt-Muschalla, Tel.: 0511 3670483, silke.breustedt-muschalla@landvolk.org

Weitere Meldungen

EEG 2027: Landvolk fordert Streichung des Windmietdeckels

L P D – Die geplante Begrenzung der Entgelte für Flächen, auf denen Windenergieanlagen errichtet und betrieben werden, stößt beim Landvolk Niedersachsen auf deutliche Kritik. Der im Entwurf des EEG…

Junghennen: Zwei Ställe, ein neuer Weg

L P D – Als Henning Krüssel in der Ausbildung war, hieß es noch, er solle sich möglichst auf einen Bereich spezialisieren. Lange waren das bei ihm und seinem Vater…

Pferdezucht Kuhlmann

Pferdezucht: WM-Gold hat niedersächsische Wurzeln

L P D – Reiter sind ohne Pferde auch nur Fußgänger: Bei den Weltmeisterschaften in Aachen haben einige der vierbeinigen Medaillenträger ihren Ursprung in Niedersachsen. In der Vielseitigkeit wurde der…

Schweinestall

Niedersachsen: In 10 Jahren Hälfte der schweinehaltenden Betriebe verloren

L P D – Niedersachsens Schweinehaltung steht vor einer akuten wirtschaftlichen Zerreißprobe. Trotz des aktuellen Anstiegs des Schweinepreises um zehn Cent je Kilogramm Schlachtgewicht auf 1,60 Euro, bleibt die Lage…

Supermarkt

Bio-Boom stärkt Eigenmarken statt Bauernhöfe

L P D – Der Bio-Markt wächst – doch von dem Boom profitieren vor allem die Eigenmarken im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogerien. „Bio verliert sein Gesicht“, sagt Carsten Bauck, Vorsitzender…

Ackerbau unter Druck: Ertragsausfälle und niedrige Erzeugerpreise gefährden Betriebe

L P D – Die aktuelle Weizen- und Rapsernte verschärft die seit Jahren bereits angespannte wirtschaftliche Lage vieler Ackerbaubetriebe in Niedersachsen. Das Landvolk Niedersachsen warnt vor einem zunehmenden Liquiditätsengpass und…