Tunnel statt Acker: Erdbeeranbau im Wandel

Erdbeeren
Niedersachsenweit werden laut LSN für das Jahr 2026 etwa 18.100 Tonnen Erdbeeren erwartet Foto: Landvolk

Niedersächsische Erntemenge im Freiland bundesweit wieder auf Rang 1

L P D – Der Lohn muss zur Leistung passen – um dies seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu ermöglichen, haben Andreas und Neele Döpke aus Garrel ihre Erdbeeren auf 1,20 Meter hohe Stellagen gepflanzt. „Dadurch wird in der gleichen Zeit das Dreifache gepflückt“, erläutert Andreas Döpke. Durch den gestiegenen Mindestlohn sei der Anbau arbeitsintensiver Kulturen wirtschaftlich schwieriger geworden. 80 Prozent seiner Erdbeeren wachsen daher mittlerweile auf den Gestellen im Folientunnel – in Zukunft könnten es sogar 100 Prozent werden.

In Niedersachsen gehört er damit zu den Vorreitern. Wie das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) schätzt, stammt bereits mehr als jede fünfte niedersächsische Erdbeere inzwischen aus dem geschützten Anbau. Die Fläche unter Folie wuchs innerhalb eines Jahres um rund zehn Prozent auf gut 270 Hektar. „Entweder regional aus dem Tunnel oder billig aus Ländern, wo die Löhne niedriger sind“, so fasst Döpke die Entwicklung im Erdbeeranbau zusammen. Selbst während der deutschen Hauptsaison würden inzwischen wieder verstärkt importierte Erdbeeren angeboten.

Die Nachfrage nach seinen regionalen Erdbeeren sei jedoch trotz höherer Preise ungebrochen. Erst als die Urlaubssaison losgegangen sei, sei die Nachfrage an den zahlreichen Verkaufsständen in den Landkreisen Oldenburg, Ammerland und Cloppenburg etwas eingebrochen. „Gerade als die Temperaturen in der Haupternte so heiß waren, sind natürlich mehr Früchte abgereift, als wir verkaufen konnten“, sagt Döpke. Er muss daher einen insgesamt geringeren Hektarertrag verbuchen: „Wir merken, dass die Pflanzen gelitten haben.“

Niedersachsenweit werden laut LSN für das Jahr 2026 etwa 18.100 Tonnen Erdbeeren erwartet, das wären 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Ursache für diese Entwicklung ist vor allem der anhaltende Rückgang der ertragsfähigen Freilandfläche in Niedersachsen. Diese verringerte sich gegenüber dem Vorjahr erneut um 7,1 Prozent auf rund 1.900 Hektar.

Mit einem Anteil von 25,4 Prozent an der gesamten Ernte kamen dennoch in diesem Jahr wahrscheinlich die meisten deutschen Erdbeeren in dieser Anbauform wieder aus Niedersachsen. Um den Erdbeeranbau auch künftig in Deutschland zu sichern, fordert die Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer den Zugang zu weiteren Ländern, um Arbeitskräfte zu gewinnen, das Stoppen der Registrierkassenpflicht und rechtssichere Sozialbeiträge. „Wir fordern politische Entscheidungen, die kein Geld kosten“, betont Geschäftsführer Fred Eickhorst abschließend. (LPD 61/2026)

Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org

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