Die Heidelbeere boomt weiter

Die Heidelbeere boomt weiter - Foto: pixabay
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Wetterextreme machen Obstbauern zu schaffen – Mehr geschützter Anbau

L P D – Die Haupternte beim Beerenobst ist vorbei, jetzt sind die späten Sorten an der Reihe. Sie sind laut Beerenobst-Berater Tilman Keller vom Obstbauversuchsring (OVR) Altes Land für die Obstbauern so wichtig, um das Erntejahr mit Wetterextremen noch einigermaßen ausgewogen abschließen zu können. Der Start in die Frühsaison war durch Fröste außerordentlich problematisch. Später kamen Hitze, Hagel oder Starkregen hinzu, sodass es eine leicht unterdurchschnittliche Ernte wird, lautet die Bilanz der Anbauer von Beerenobst gegenüber dem Landvolk-Pressedienst.

18 Spätfröste, deutlich mehr als die üblichen vier bis fünf, verursachten trotz Schutzmaßnahmen bei den frühen Erdbeeren zu Ertragsausfälle von bis zu 50 Prozent. Die Hauptsaison erbrachte eine Durchschnittsernte, auf etlichen Betrieben gab es regional Hagelschäden bis hin zu Totalausfällen. „Mit der jetzt zu Ende gehenden Ernte der letzten Erdbeeren werden wir insgesamt leicht unter dem Durchschnitt liegen“, bilanziert Keller. Auf extreme Hitze reagiert die Himbeere empfindlich, sie wird daher fast nur noch im geschützten Anbau kultiviert. „Der Handel möchte diese Früchte. Die Anbaufläche im Freiland deutlich abnimmt, kann aber durch den geschützten Anbau nicht aufgefangen werden“, erklärt der Beerenobst-Fachmann. Die einstige Anbaufläche von 200 Hektar sank stetig, aber der kostenintensive geschützte Anbau sei produktiver.

Spitzenreiter in der Beliebtheit der Beeren bleibt die Blau- oder Heidelbeere, die gerade Hauptsaison hat und deren späten Sorten bis Oktober leckere Früchte hervorbringen. „Obstbauern, die über eine Frostschutzberegnungsanlage verfügen, ernten überdurchschnittlich. Andere wurden durch die Extremwetterlagen sehr getroffen“, erklärt Keller. Die Nachfrage nach Heidelbeeren ist ungebrochen. Laut Marktbeobachter AMI legten die Käufe an Beerenobst in Deutschland im ersten Halbjahr 2019 um zehn Prozent zu. 700 Gramm Heidelbeeren kaufte jeder Haushalt. Die Anbaufläche wird stetig erweitert, hat aber ihre natürliche Begrenzung, denn Heidelbeeren wachsen nur auf geeigneten, leicht moorigen Böden. Um den Markt bedienen zu können, wählen die Anbauer neue Sorten mit größeren Früchten und wünschen sich dazu eine gute Listung im Lebensmitteleinzelhandel. Die heimische Erzeugung steht jedoch aufgrund der Lohnkosten unter einem großen Druck. Der Verbraucher sollte daher pflückfrische Beeren aus der Region statt verpackter Ware aus Übersee wählen. Die hiesigen Beerenobstbauern erhoffen sich hier Vorteile durch die Klimadebatte. (LPD 64/2019)