Milchausschuss zeigt gemischtes Stimmungsbild

Milchkuh
In Milchviehbetrieben setzt sich der Strukturwandel fort: immer mehr Betriebe geben auf Foto: Landvolk Niedersachsen
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Erlöse steigen, Kosten auch – GAP benachteiligt Grünland- und Futterbaubetriebe

L P D – Bessere Preise bedeuten nicht gleich eine bessere Stimmung – zu diesem Schluss kamen die Mitglieder des Milchausschusses bei ihrer jüngsten Sitzung. „39 Cent pro Kilogramm Milch klingt im Mehrjahresvergleich gut, der Preis muss aber in Relation zu den steigenden Kosten für Düngemittel, Futtermittel und Energie gesehen werden“, verdeutlicht Landvolk-Vizepräsident Manfred Tannen, der auch Vorsitzender des Milchausschusses ist. Zudem seien die Kostenstrukturen bei jedem Milchviehbetrieb individuell sehr verschieden. „Die Preistendenz ist in Ordnung, aber von durchschnittlicher Vollkostendeckung kann keine Rede sein“, sagt er. Insgesamt setze sich der Strukturwandel beschleunigt fort, immer mehr Betriebe gäben auf.

Im Umkehrschluss führt die geringere Milchmenge der vergangenen Monate jedoch auch zu höheren Milchpreisen. „Der Milchauszahlungspreis in Niedersachsen ist seit Februar kontinuierlich gestiegen“, erklärt die Milchreferentin des Landvolks, Nora Lahmann. Durchschnittlich 36 Cent würden derzeit mit weiterhin guten Aussichten auf dem Markt an die Milchbauern ausgezahlt. Das sei möglich, weil die qualitativ hochwertigen Milchprodukte aus Niedersachsen in Deutschland und weltweit sehr gefragt seien. Besonders die Nachfrage nach Weidemilch und Biomilch wachse. „Niedersachsen ist immer noch ein Gunststandort für die Milchviehhaltung und hat beispielsweise im Vergleich zu anderen Ländern einen wettbewerbsfähigen CO2-Fußabdruck“, erläutert Lahmann.

Trotzdem leiden besonders die Junglandwirte und die Landwirte mit Betrieben auf Moorstandorten unter der Perspektivlosigkeit durch immer strengere Auflagen der gemeinsamen Agrarpolitik Europas (GAP). „Die GAP-Förderung ab 2023 lässt zwar für alle Betriebe in ihrer Wirkung nach, Milchvieh- und Futterbaubetriebe werden jedoch insgesamt deutlich benachteiligt“, sagt Manfred Tannen. Das liege zum einen an der stark verringerten Einkommenswirkung der Zahlungen, zum anderen an dem deutlich höheren Aufwand durch die Grundvoraussetzungen, die zur Antragsstellung erfüllt werden müssen. Zudem beurteilten die Ausschussmitglieder die möglichen Eco-Schemes (Ökoregelungen), für die 25 Prozent der Direktzahlungen reserviert werden, als untauglich, zu gering entlohnt und teilweise auch ökologisch wenig wertvoll. „.Die speziellen Anforderungen in der GAP zur Bewirtschaftung von Dauergrünland im intensiven Futterbau ist für Betriebe, die auf eine gewisse Futtermenge angewiesen sind, unerfüllbar“, so Tannen. Der Beratungsaufwand für die Antragsstellung wird für alle deutlich steigen, stellt der Milchviehhalter aus Ostfriesland fest.

Bei einer Umfrage unter den Ausschussmitgliedern wurde die Grasernte als nur mittelmäßig bewertet. „Aufgrund des kalten und nassen Frühjahrs gibt es viel Futter mit geringerer Qualität, dadurch sinken die Milchmenge und die Inhaltsstoffe der Milch wie Fett und Eiweiß deutlicher als in den Vorjahren“, fasst Nora Lahmann zusammen. Im weiteren Verlauf des Jahres seien die Mais- und die Grasernte jedoch deutlich besser als in den Dürrejahren verlaufen und Futtervorräte nun ausreichend vorhanden. (LPD 82/2021)

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