Niedersachsens Pioniere im Weinanbau

Niedersachsens Pioniere im Weinanbau - Foto: Landvolk
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L P D – Acht neue Flächen für Neuanpflanzungen wurden 2018 von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) für eine Kultur genehmigt, die bislang selten auf Niedersachsens Äckern zu finden ist: Wein. Seit 2016 dürfen in Niedersachsen Rebpflanzen gesetzt werden. Vom Ammerland im Norden bis nach Südniedersachsen bauen seitdem einige Pioniere und Liebhaber ihren eigenen Wein an – mit allen Widrigkeiten, die der Weinbau in den nördlichen Gefilden mit sich bringt, teilt der Landvolk-Pressedienst mit.

Von gut siebeneinhalb Hektar in 2016 ist die Weinanbaufläche in Niedersachsen auf mittlerweile über 17 Hektar (ha) gestiegen. Jan Brinkmann aus Bad Iburg und Michael Winkler aus Göttingen zählen zu den Pionieren. Sie haben in den vergangenen zwei Jahren ihre ersten Erfahrungen im Weinbau gesammelt. Brinkmann bepflanzte seinen niedersachsenweiten einzigen mit 27 Prozent Neigung ausgestatteten Hang auf 1,5 ha mit 5.000 Rebstöcken. „Sonneneinstrahlung und Wärmeeinfall sind perfekt. Die jungen Pflanzen besitzen einen geringen Wasserbedarf und haben den Trockensommer gut überstanden. Wir haben einen guten Boden, der Wasser halten kann“, bilanziert der 23-jährige Jungwinzer. Da es in der Region eigentlich doppelt so viel Niederschlag gibt, hat sich die Familie für pilzwiderstandsfähige Sorten entschieden. Mit „Helios“, „Solaris“ und „Regent“ will der Weinbauer auch regenreiche Jahre meistern. „Wir werden sicher Anfängerfehler machen, die die Lebensdauer der Pflanzen beeinträchtigen. Deshalb müssen wir erst einmal das Optimum herausfinden“, ist sich Brinkmann Junior bewusst und holt sich Ratschläge von einem australischen Winzer aus Cloppenburg. Unterschätzt hat er die enorme Handarbeit, denn mit der Anpflanzung ist er noch nicht fertig. Der Weinberg ergänzt in dem Familienbetrieb die Sauenhaltung mit Ferkelaufzucht und 75 ha Ackerbau. 2019 möchte Brinkmann die erste Probelese einfahren. Ob diese für eine gute Qualität reicht und der Wein im eigenen Keller oder fremd ausgebaut wird, steht noch nicht fest. Sorgen machen dem Landwirt im Moment die Spätfröste. Auch Neuwinzer Michael Winklers Reben in Lenglern bei Göttingen wurden von den Nachtfrösten erwischt, er hofft dennoch auf nur geringe Schäden. Sein 2,85 ha großes Weinberg-Problem heißt Wahle-Mecklar – und vielleicht auch noch SuedLink. Der Netzausbau könnte ihm die Hälfte seiner Fläche rauben. Winkler hat den Trockensommer 2018 nicht in guter Erinnerung: „Für die jungen Reben war die Trockenheit katastrophal, bei den Zweijährigen hingegen unproblematisch.“ Der Apotheker hat anfangs 0,5 ha mit dem Spaten gepflanzt, ehe eine umgebaute Rübensämaschine für Effektivität sorgte. Dieses Jahr plant er eine kleine Produktion, 2020 soll die Lese dann richtig anlaufen. Weine wie Cabernet blanc, Solaris und Riesling könnten dann über die Direktvermarktung aus dem kleinen Weinland Niedersachsen kommen. (LPD 36/2019)