Pferdezüchter trotzen allen Schwierigkeiten

Niedersachsens Pferdezüchter lassen sich vom Wolf und den hohen Kosten nicht unterkriegen. Foto: Landvolk Niedersachsen
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Wolf verursacht Sorgen / Artgerechte Pferdehaltung gelingt nur mit Weidegang

L P D – Ein Fohlen aus der eigenen Zuchtstute oder dem in Rente gegangenen Turnierpferd – während der Corona-Pandemie haben sich viele Pferdehalter diesen Traum erfüllt. Im Pferdeland Niedersachsen hat sich der Trend besonders positiv bemerkbar gemacht. Allein die Zuchtverbände Hannover, Oldenburg, und Oldenburg International registrierten 14.514 Fohlen und verzeichnen damit eine Steigerung von rund 300 Fohlen zum Vorjahr, zitiert der Landvolk-Pressedienst Zahlen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).

Deutschlandweit wurden im vergangenen Jahr bei den Warmblütern 27.615 Fohlen gemeldet, 2021 waren es 26.622 Fohlen. Diese Zahlen mit mehr als der Hälfte der geborenen Warmblutfohlen aus Niedersachsen belegen die große Bedeutung des Pferdelandes, aber auch insgesamt war 2022 aus Sicht der deutschen Pferdezucht ein positives Jahr.

Aktuell herrscht trotz der spannenden Zeit der Abfohlsaison allerdings eine eher gedämpfte Stimmung unter den Pferdezüchtern. „Die neue Gebührenordnung der Tierärzte ist ein Klopfer“, nennt Helmut Habermann aus Hänigsen einen Grund. Neben den stark gestiegenen Tierarztkosten summierten sich höhere Aufwendungen für Hafer und Heu sowie anderen Betriebsmittel zu einem stattlichen Ausgabenblock. Und das bevor auch nur ein Fohlen das Licht der Welt erblickt hat – geschweige denn verkauft wurde.

„Der Absatz über Online-Auktionen lief gut während der Corona-Zeit“, sagt der Pferdezüchter rückblickend und hofft, dass dieser Trend noch etwas anhält. Durch die angespannte Wirtschaftslage und die damit verbundene Kaufzurückhaltung erwartet er jedoch auch auf dem Pferdemarkt eine eher gedämpfte Nachfrage.

Große Sorgen machen sich alle niedersächsischen Pferdezüchter, die ihren Stuten und Fohlen von Mai bis Dezember eine artgerechte Haltung rund um die Uhr auf der Weide ermöglichen wollen. „Das Rissgeschehen geht ganz klar in Richtung größerer Tiere wie Rinder und Pferde“, sagt Habermann, der sich in der Pferdeland Niedersachsen GmbH engagiert und diese im „Aktionsbündnis aktives Wolfsmanagement“ vertritt. Seine fünf Zuchtstuten samt Fohlen weiden derzeit noch „gefühlt“ sicher, weil sie nur tagsüber auf den hofnahen Wiesen laufen. Dass sich die Züchter ihre Freude am Pferd nicht nehmen lassen, belegt der Zuwachs an eingetragenen Zuchtstuten auf deutschlandweit 52.499, womit auch der Bestand der Vor-Corona-Zeit (2019: 51.944) überschritten wurde. Trotz Kriegsausbruch in der Ukraine wurden laut FN im vergangenen Jahr 30.491 Warmblutstuten gedeckt. 2021 waren es 30.131 Bedeckungen, 2019 lag die Zahl bei 30.694. (LPD 30/2023)