Weniger Chemie kann im Acker mehr sein

L P D – „Ackerbauern setzen Betriebsmittel wie chemischen Pflanzenschutz mit Augenmaß und eher verhalten ein. Die Losung ‚Viel hilf viel‘ haben wir noch nie gelten lassen und schon immer alle Möglichkeiten genutzt, um unsere Pflanzen mit möglichst geringem Aufwand optimal schützen zu können“. Mit diesen Worten reagiert Jürgen Hirschfeld auf den ersten Ergebnisbericht des Julius Kühn-Instituts zu Modell-und Demonstrationsvorhaben des Integrierten Pflanzenschutzes. Er stellt nach Einschätzung des Vorsitzenden im Ausschuss Pflanzliche Erzeugung beim Landvolk Niedersachsen den Landwirten ein recht gutes Zeugnis aus.

Die Forscher kommen in der 2011 begonnenen ersten Testphase mit mittlerweile 66 Betrieben zu dem Schluss, dass die Landwirte in Deutschland schon vieles richtig machen. Insbesondere im Apfelanbau, der in Niedersachsen an der Niederelbe bereits seit Jahren weitgehend nach den Vorgaben des Integrierten Anbaues erfolgt, gebe es kaum noch weiteres Reduktionspotenzial. Es lasse sich allenfalls durch neue Entwicklungen in der Pflanzenschutztechnik umsetzen. Als weniger erfolgversprechend bezeichnen die Wissenschaftler den Anbau weniger anfälliger oder gar resistenter Sorten, hier setze die Vermarktbarkeit enge Grenzen. Dem pflichtet auch Ulrich Buchterkirch von der Fachgruppe Obstbau im Landvolk Niedersachsen bei: „Der Verkäufer wählt hauptsächlich nach dem Aussehen und bevorzugt  immer mehr die neuen Sorten mit rotschaligen Äpfeln“.  Umstellungen im Sortenspektrum erfordern im Obstbau zudem einen längeren Vorlauf.

Im Ackerbau standen Winterweizen, Wintergerste und Winterraps im Fokus des Vergleichs. Intensives Beobachten und Abwägen kann hier in erster Linie bei Pflanzenschutzmitteln gegen Insekten als Schaderreger oder Pilzkrankheiten noch zu geringeren Aufwandmengen führen. Der umstrittene Wirkstoff Glyphosat dagegen wurde in den Demonstrationsbetrieben sehr gezielt eingesetzt. Unkrautbekämpfungsmaßnahmen lassen sich nur durch erhebliche Umstellungen in der Fruchtfolge oder Bodenbearbeitungsmaßnahmen mit hohem Energie- und Arbeitsaufwand einschränken. Weitere Minimierungsspielräume könnten hier züchterische Fortschritte eröffnen, allerdings lassen sich die Erfolge erst mittelfristig beobachten. Das so genannte Precision Farming  soll Pflanzenschutzanwendungen ebenfalls noch gezielter und genauer ermöglichen, zum Schutz der Natur und zur Entlastung auf der Kostenseite. (LPD 5/2015)