Corona lässt Fischverkauf gegen Null tendieren

Foto: Landvolk Niedersachsen

Teichwirtschaften befürchten trockenes Jahr mit schlechten Erträgen

L P D – „Betriebe, die einen Direktverkauf anbieten können, kommen mit einem blauen Auge davon. Aber all jene, die ihren Fisch-Verkauf hauptsächlich auf die Gastronomie ausgerichtet haben, verzeichnen Einbußen von über 90 Prozent und greifen auf die Hilfsprogramme zurück“, schildert Torben Heese die existenzbedrohende Lage der Teichwirtschaften aufgrund der Corona-Pandemie. Normalerweise läuft das Geschäft bei den Forellen- und Karpfenteichwirten in Niedersachsen zu den Ostertagen gut – in diesem Jahr fiel der umsatzstarke Zeitraum buchstäblich ins Wasser, teilt der Landvolk-Pressedienst mit.

Corona wirkt sich auf die Fischereibetriebe sehr unterschiedlich aus. „Bei mir belaufen sich die Umsatzeinbußen auf bis zu 20 Prozent“, schätzt Torben Heese, der bei Eschede die Aschauteiche mit einer Wasserfläche von 86 Hektar bewirtschaftet. Unter natürlichen Bedingungen wachsen hier Karpfen, Forelle, Schleie und Hecht über Jahre hinweg zu vitalen Besatz- und wohlschmeckenden Speisefischen heran. Über den Direktverkauf mit verstärkten Hygienemaßnahmen und vermehrt auch im Versand bringt Torben Heese seine Fische an den Kunden. Letzterer birgt zu Corona-Zeiten manche Überraschung. „Vor den Ostertagen gingen viele Bestellungen über den Versandweg raus. Ärgerlich ist sowohl für Kunden als auch für mich als Händler, wenn der Container mit der bestellten Frischware aufgrund des hohen Paketaufkommens nicht abgewickelt wird. Trotz rechtzeitigem Versand erhielt der Käufer seine Ware nicht, ich habe den Schaden und muss die Reklamationen abwickeln“, schildert Heese die Probleme. Das sei zum Glück eine Ausnahme gewesen, die Teichwirtschaften haben sich auf die Corona-Umstände eingestellt. Kollegen, die ihren Vertrieb über Angelparks haben, fehlte der Absatz. „Niedersachsen stufte Angelparks als Freizeitbeschäftigung ein und verbot das Angeln“, bedauert der stellvertretende Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Niedersachsen. Er setzte sich erfolgreich für die „Gleichberechtigung“ ein, das Angeln in gewerblich betriebenen Teichen ist nun wieder erlaubt.

„Wir befürchten ein weiteres trockenes Jahr mit schlechten Erträgen“, erklärt Heese. Für die Teichwirte war es wie für die Landwirte über lange Zeit deutlich zu trocken. Zusätzlich belasten tierische Fischräuber: „Ob Otter oder Kormoran – die Tiere leben wie am gefüllten Kühlschrank“, verdeutlicht Heese. 20 Elterntiere wurden ihm weggefressen. Das ist ein wirtschaftlicher Schaden und gefährdet seinen 100-jährigen Zuchtbestand. „Die Vermehrung wird schwieriger, die Wirtschaftlichkeit steht auf wackeligen Füßen. Doch wir sind zur Erhaltung verpflichtet und machen weiter“, sagt Torben Heese und setzt sich weiterhin für individuelle Modelle zum Vertragsnaturschutz ein. (LPD 35/2020)

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