An der Küste wird es eng zwischen den Gräben

Hartmut Seetzen

Niedersächsischer Weg – Gewässerrandstreifen ohne Dünger und Pflanzenschutz

L P D – Das Mitspracherecht für die Betroffenen und ein wirklicher Interessenausgleich zwischen Naturschutz und Landwirtschaft – das ist der entscheidende Vorteil des „Niedersächsischen Weges“ gegenüber dem Volksbegehren Artenvielfalt von Grünen und Nabu für die Bauern in Niedersachsen. So sieht das auch Hartmut Seetzen, der auf seinem Bauernhof an der Nordseeküste 100 Kühe mit Nachzucht hält und 95 Hektar (ha) Grünland und 35 ha Acker bewirtschaftet. „Die sind in 42 Schläge aufgeteilt“, verdeutlicht der Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes Friesland, wie kleinstrukturiert die Gemarkungen an der Küste sind. Dementsprechend nah ist der nächste Graben, wenn er auf einer Wiese Dünger streut, Gülle ausbringt oder ab und zu gegen Sauerampfer oder Vogelmiere mit der Pflanzenschutzspritze unterwegs ist. Sollte er zu jedem Graben drei Meter Abstand halten, wie im Niedersächsischen Weg gefordert, verringert sich sein nutzbares Grünland um 15 Prozent.

Weil solche Regeln jedoch die Wirtschaftsgrundlage der Milchbauern gefährden, sieht der „Niedersächsische Weg“ für gewässerreiche Regionen Ausnahmen vor. „Wir sind jetzt in der Ausgestaltung des ‚Niedersächsischen Wegs‘ dabei, Gebiete zu definieren, in denen die erweiterten Gewässerrandstreifen für die Landwirtschaft trotz gesetzlich geregeltem finanziellen Ausgleiches untragbar sind“, führt Landvolk-Vizepräsident Holger Hennies aus und betont: „Kühe fressen eben Gras und keine Geldscheine.“ Trotzdem werde es auch an der Küste Gebiete geben, an denen der erweiterte Gewässerrandstreifen einzuhalten sein wird.

„Wenn ich zukünftig an Entwässerungsgräben deutlich mehr Abstand halten muss, ist das für mich ein wirtschaftliches Problem“, sagt Seetzen. Für ihn ist entscheidend, dass die Regelungen im Niedersächsischen Weg an die Region angepasst sind, um zu wirtschaftlich vertretbaren Lösungen zu kommen. Außerdem ist es Seetzen wichtig, dass der Erfolg auch kontrolliert wird. „Wenn wir schon was machen, dann soll es auch was bringen“, fordert der Landwirt. Dann stünde die Landwirtschaft auch voll hinter den angepassten und angedachten Einschränkungen zum Wohle des Artenschutzes. Nur die Daumenschrauben anzuziehen, ohne fachlich zu überprüfen, ob die vorgeschriebenen Maßnahmen auch erfolgreich seien, sei dagegen sinnlos und für die Landwirte sehr frustrierend. „Das ist für mich ein schlimmer Zustand, dass Naturschutzmaßnahmen oft so wenig begleitet werden“, sagt der Landwirt, der in seiner Arbeit eher zielorientiert denkt und dies auch vom Niedersächsischen Weg erwartet. Dort ist die Erfolgskontrolle vorgesehen, der Weg muss nun nur noch mit Leben gefüllt werden. Weitere Informationen unter www.niedersaechsischer-weg.de. (LPD 59/2020)

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