Das Zuviel an Bürokratie lähmt auch die Bio-Betriebe

Carsten Bauck: „Der Ökolandbau steht an einem Wendepunkt. Dem Wachstum im Handel stehen die Sorgen auf den Höfen gegenüber. Was Brüssel unseren Bio-Bauern zumutet, ist fernab aller Realität.“ Foto: Landvolk

Öko-Ausschuss Landvolk: Zwischen Rücken- und rauem Gegenwind

L P D – In der Runde des Öko-Ausschusses im Landvolk Niedersachsen spürte man sofort: Die Stimmung ist kämpferisch, aber nicht sorglos. Die Themen, die auch die Bio-Bauern im Landvolk bewegen, sind komplex – von starken Ernten bis zu politischen Zumutungen, von wachsenden Märkten bis zu Sorgen um die eigene Zukunftsfähigkeit. „Der Ökolandbau steht an einem Wendepunkt. Dem Wachstum im Handel stehen die Sorgen auf den Höfen gegenüber. Was Brüssel unseren Bio-Bauern zumutet, ist fernab aller Realität“, zeigt der Ausschussvorsitzende Carsten Bauck den ausufernden Bürokratismus inklusive unmöglicher Umsetzung im Sinne des Tierwohls auf.

Beim Blick auf die Kulturen fällt das Fazit gemischt aus. Die Kartoffelernte war vielerorts sehr gut – und gerade deshalb ein Kraftakt. Hohe Mengen bringen eben nur etwas, wenn die Vermarktung mitzieht, und genau das war schwierig. Die Erträge der Bio-Rüben lagen im Mittel, aber der Zuckergehalt überzeugt.

Im Geflügelbereich sieht es momentan besser aus: Legehennenhalter und Hähnchenmäster berichten von guten Preisen. Doch die Freude wird gebremst von der Sorge vor Überkapazitäten, denn in den kommenden Jahren werden wohl zahlreiche neue Ställe entstehen. Die Vogelgrippe bleibt zusätzlich ein ständiger Unsicherheitsfaktor.

In der Milchviehhaltung hängt die Zukunft wie ein Schatten über den Betrieben. Das viel diskutierte Öko-Weidepapier lässt nicht nur in Süddeutschland Öko-Milchbauern ernsthaft überlegen, ganz auszusteigen – ein alarmierendes Signal in einer Branche, die ohnehin seit Jahren unter Druck steht. Erfreulich ist hingegen ein derzeitiger Öko-Milchpreis von bis zu 70 Cent. Spezialisten unter den Öko-Milchviehbetrieben wünschen sich mehr Perspektiven für Öko-Heumilch oder Milch aus muttergebundener Tierhaltung.

Auch wird der politische und infrastrukturelle Druck auf die Flächen größer. Rhein-Main-Link und SüdLink schneiden quer über Höfe, treiben Bodenpreise und Auflagen in die Höhe. Für die Ökobetriebe besonders problematisch: Der wachsende Verlust an nutzbarer Fläche – inklusive mesophilem Grünland, das dann nicht mehr verändert werden darf.

Dr. Wolfram Dienel vom Deutschen Bauernverband nahm in seinem Vortrag kein Blatt vor den Mund. Die Tierhaltung sei ein zentraler Baustein des ökologischen Landbaus, doch die EU-Öko-Verordnung bürde den Betrieben unnötige Lasten auf. Besonders im Geflügelbereich sieht er akuten Handlungsbedarf. So müsse etwa der verpflichtende Grünlandauslauf beim Küken-Auslauf verhindert werden, und die 48-Stunden-Wartezeit nach Parasitenbehandlungen sei schlicht praxisfern. Bei der Öko-Weidepflicht kämpfen Deutscher Bauernverband und weitere Verbände seit Monaten um praxistaugliche Anpassungen, viele Vorschläge wurden eingebracht. „Es wäre ein Schlag ins Gesicht, wenn wir im Rahmen der Entbürokratisierungspolitik auf EU-Ebene keine Verbesserungen im EU-Öko-Recht erreichen“, sagt Dienel – und macht klar, dass um jeden Milchviehbetrieb gerungen werde.

Beim Blick auf den Bio-Markt zeichnet Diana Schaack, Expertin von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI, ein Bild mit zwei Seiten. Die Nachfrage wächst wieder: Rund 17 Milliarden Euro gaben Verbraucher 2024 für Bio-Lebensmittel aus – ein Plus von 5,7 Prozent. Besonders Handelsmarken in Supermärkten und Discountern treiben das Wachstum. Doch die Schattenseite ist deutlich: Der Markt wird zunehmend anonymisiert, Importe nehmen stark zu und für viele Produkte fehlen deutsche Rohwaren. Während Bio-Milch beim Verbraucher gefragt bleibt, schwächelt Butter. Beim Fleisch legt vor allem Geflügel zu.

„Die Stimmung im Ausschuss zeigt: Wir sind in unserem Landvolk-Öko-Ausschuss bereit, für praktikable Regeln und wirtschaftliche Perspektiven zu kämpfen – aber auch wir Öko-Bauern brauchen politischen Spielraum, praxisnahe Regelungen und eine Wertschätzung, die über schöne Marktberichte und dem Bild der Bio-Bauernhof-Idylle hinausgehen“, erklärt Ausschussvorsitzender Bauck abschließend. (LPD 88/2025)

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