Digitalisierung macht Landwirtschaft präziser

Immo Behre. Foto: Landvolk Niedersachsen

Sensor steuert den Düngerstreuer – Pflanzen werden individuell gedüngt

L P D – Vom Feldweg sieht jede Pflanze gleich aus. Aus der Luft lassen sich jedoch auch innerhalb eines Ackers starke Unterschiede erkennen. Weil die Bodenqualitäten eines Schlages schwanken können, setzen die Landwirte immer mehr auf eine sogenannte Präzisionsausbringung von Düngung und Pflanzenschutzmitteln. „Die Pflanze, die den Dünger braucht, soll ihn auch bekommen“, erläutert Immo Behre. Der Landwirt setzt zusammen mit Karl Eckerlin in der Behrlin GbR auf seinen Feldern einen aktiven Stickstoff-Sensor ein, der über die grüne Blattmasse den Chlorophyllgehalt der Pflanzen misst und dem Düngerstreuer am Heck signalisiert, wo er die Düngermenge individuell anpassen kann. Eine gut dastehende Pflanzengruppe kann auf Diät gesetzt werden, während andere Bereiche des Feldes eine Extraportion bekommen. „Das Ziel ist ein gleichmäßiger Bestand und ein effizienter Düngereinsatz“, sagt Behre. Er hat mit dem innovativen Zusatzgerät gute Erfahrungen gemacht.

„Als Landwirt bin ich aber immer noch in der Pflicht, zu entscheiden, wieviel gestreut werden soll“, erläutert Behre. Zudem müsse an dem Sensor einprogrammiert werden, bei welchem Chlorophyll-Index wieviel Dünger ausgebracht werden soll. Dann funktioniere das System zum Beispiel auch bei der Gülleausbringung oder beim Einsatz von Wachstumsreglern mit der Pflanzenschutzspritze. In diesem Jahr wollen die beiden Landwirte der Behrlin GbR zum ersten Mal bereits im Herbst den Winterraps scannen und die Ergebnisse speichern, um im Frühjahr zur Startdüngung perfekt vorbereitet zu sein. In Zukunft können sie sich vorstellen, über Düngekarten im Computer die Gegebenheiten vor Ort darzustellen.

Dieses Beispiel zeigt, dass Präzisionslandwirtschaft keine Science-Fiction mehr ist, sondern in der Praxis für eine optimale Versorgung der Pflanzen und einen effizienten Einsatz von Dünger und Pflanzenschutz sorgt. Zukünftig könnten Landwirte mit einer effizienter werdenden Datenerfassung über Sensortechnik, die Verarbeitung dieser Daten über Algorithmen und verschiedene Formen der Künstlichen Intelligenz sowie einer immer leistungsfähigeren Datenübertragung ihre Anwendung weiter optimieren. Dann könnten Radarsensoren oder Laserscanner permanent die Feuchte, Dichte oder Zusammensetzung des Bodens bestimmen, um Dünge-, Bewässerungs- oder Erntemaschinen darauf einzustellen. „Da wird die Reise hingehen“, ist sich Behre sicher. Vorgaben, wie sie die novellierte Düngeverordnung für mit Nitrat belastete Gebiete vorsieht, hält er dagegen für ungeeignet und würde sich eher eine Förderung intelligenter Technik für eine präzise Düngung wünschen. Der Landwirt ist jedenfalls froh, mit einem ersten Schritt in Richtung Digitalisierung für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. (LPD 57/2020)

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