Edeka leistet sich Affront gegenüber der Landwirtschaft

Im Jahr 2022 wurden 29 Prozent des deutschen Käses in Niedersachsen produziert. Umso wichtiger ist der Erlös dieses Produktes für das Einkommen der landwirtschaftlichen Familienbetriebe Foto: Landvolk

Umstellung auf Haltungsform 3 beim Käse ohne Aufpreis

L P D – „Wenn wir auf unsere monatliche Abrechnung schauen, können wir derzeit kaum zufrieden sein“, sagt Frank Kohlenberg, Milchbauer aus Bremke im Landkreis Holzminden und Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen. Obwohl der Preis für die Milch aus Sicht der Erzeuger in den zurückliegenden fünf Jahren ein vergleichsweise hohes Niveau hatte, drücken im laufenden Wirtschaftsjahr immer noch die Betriebskosten für Futter- und Düngemittel die Bilanz. „Diese Faktoren werden immer teurer. Hinzu kommen die Arbeitserledigungskosten und immer neue Vorgaben aus der Politik. Nun fällt auch der Lebensmitteleinzelhändler Edeka mit einer vermeintlich ‚fairen‘ Ankündigung den Milchbauern in den Rücken “, erläutert Kohlenberg.

Das Versprechen, dass der Käse der Eigenmarke auf Haltungsformstufe 3 umgestellt werden soll, klingt zunächst positiv. Dieser soll jedoch zum gleichbleibenden Preis für die Kundinnen und Kunden angeboten werden. Außerdem wird diese Ware nicht aus Niedersachsen oder Deutschland bezogen. Der Käse wird mit einem kurzerhand eigens aus dem Boden gestampften Label „Respekt pro Tierwohl“ versehen, welches den Vorgaben eines holländischen Unternehmens entspricht. „Ein höherwertiges Produkt zum gleichen Preis anzubieten ist das falsche Signal an die Verbraucher. Diese Ankündigung ist insbesondere im Hinblick auf erneute Proteste ein Affront gegenüber der Landwirtschaft“, sagt Kohlenberg.

Im Jahr 2022 wurden 29 Prozent des deutschen Käses in Niedersachsen produziert. Umso wichtiger ist der Erlös dieses Produktes für das Einkommen der landwirtschaftlichen Familienbetriebe. Für den Erhalt der Höfe und für eine ausreichende Milchmengen-Produktion liegt das untere Plateau zur durchschnittlichen Kostendeckung bei einem Preis von 45 Cent je Liter. „Nur so können wir rentabel wirtschaften“, bekräftigt Kohlenberg.

Jahrelang hätten deutsche Landwirte gemeinsam an einem Tisch gesessen, um einen Tierwohlstandard auszuarbeiten, der aus der Branche getragen wird. „Dieser wird nun unterlaufen, um günstigere Produkte aus dem Ausland zu beziehen. Dabei wäre ein Großteil der niedersächsischen Landwirte in der Lage zu den Bedingungen der Haltungsform zu produzieren“, verdeutlicht der Landvolk-Vizepräsident. Mehr als 80 Prozent der Rinder in Niedersachsen werden in Laufställen gehalten und etwa 45 Prozent der niedersächsischen Milchkühe erhalten Weidegang.

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