Erzeugerpreise bei Milch sind weiter im Aufwind

Manfred Tannen: „Der LEH versucht massiv, bestehende Verträge mit unseren Verarbeitern auszuhebeln, um die Preise noch weiter drücken zu können. Das ist ein Unding. Wir erwarten Vertragstreue, so wie wir die Kontrakte ebenfalls einhalten.“ Foto: Landvolk

Fachausschuss des Landvolks sieht dennoch Hemmnisse für Zukunftsinvestitionen

L P D – Während andere Segmente mit massivem Preisdruck zu kämpfen haben, sieht sich die Milchbranche weiter stabil im Aufwind. „Seit Ende 2021 hat sich der Anstieg der Erzeugerpreise für konventionell erzeugte Kuhmilch fortgesetzt“, sagte Andreas Gorn, Bereichsleiter Milchwirtschaft der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) mit Sitz in Bonn jetzt vor dem Fachausschuss Milch des Landvolks Niedersachsen. Dessen Vorsitzender und Landvolk-Vizepräsident Manfred Tannen gab trotz aller Freude über die Marktlage aber zu bedenken: „Auch unsere Produktionskosten steigen immens, insbesondere im Futtermittel- und Energiebereich. Darüber hinaus fehlt uns für Zukunftsinvestitionen die Planungssicherheit aus der Politik. Fehlende Produktionsmengen durch ausscheidende Betriebe werden momentan nicht durch Wachstumsbetriebe ersetzt, dadurch sinkt die erzeugte Milchmenge nachhaltig.“

Dennoch sind die Zahlen insgesamt zufriedenstellend, so die einhellige Meinung im Ausschuss. Erstmals seit 2014 wurde im Bundesmittel die Marke von 40 Cent je Kilogramm Milch wieder übertroffen, berichtete Gorn. Im Zuge der zunehmenden Verknappung des Angebotes kam es zu deutlichen Preisanstiegen an den Rohstoff- und Produktmärkten. Die höheren Verwertungen der Milch in den Molkereien schlugen sich seit einigen Monaten auch in kräftigen Aufschlägen beim Milchgeld nieder. „Vor allem der Norden profitiert mit dem Produktportfolio Magermilchpulver, Butter und Käse von der stabilen Nachfrage “, ergänzte der AMI-Experte.

Die Nachfrage privater Haushalte in Deutschland nach pflanzlichen Alternativen zu Milch/-produkten steigt zwar weiter, aber auch für Erzeugnisse wie Streichfette, Käse, Joghurt und Quark. „International reicht die erzeugte Milchmenge zur Bedarfsdeckung nicht aus. Aufgrund dieser Ausgangssituation schauen wir optimistisch ins Frühjahr“, erklärte Manfred Tannen in der Ausschusssitzung. Mehr als 800.000 Kühe gibt es in Niedersachsen. Die Selbstversorgung mit Milch und Milchprodukten liegt bei mehr als 100 Prozent. Jeder zweite Liter Milch aus Deutschland wird exportiert. Es gibt eine enge Vernetzung in die Nachbarländer, wie beispielsweise Holland, wobei der Binnenmarkt gemeinsam versorgt wird. (LPD 11/2022)

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