Frauen brauchen viel Durchsetzungskraft

„Ich erhoffe mir von dem Arbeitskreis mehr Sichtbarkeit und das Aufzeigen der vielfältigen Rollen von uns Frauen in der Landwirtschaft“, beschreibt Katharina Wellner ihre Motivation für die Teilnahme Foto: Privat

Katharina Wellner aus Jerstedt ist Mitglied im Arbeitskreis Unternehmerinnen

L P D – Frauen sind fähig, „out of the box“ zu denken. „Ich denke, die Chancen für die Zukunft stehen gut. Frauen sind oft mutig, neue Wege einzuschlagen und so bestens vorbereitet, die Betriebe zukunftsfähig mitzugestalten“, sagt Katharina Wellner aus Jerstedt im Landkreis Goslar und beschreibt die besonderen Fähigkeiten von Frauen mit den Worten umsichtig, sensibel und kreativ. Die 35-jährige Mutter von drei Kindern (5 Jahre, 3 Jahre und 5 Monate) ist Mitglied im Arbeitskreis Landwirtschaftlicher Unternehmerinnen im Landvolk Niedersachsen.

„Ich erhoffe mir von dem Arbeitskreis mehr Sichtbarkeit und das Aufzeigen der vielfältigen Rollen von uns Frauen in der Landwirtschaft“, beschreibt Wellner ihre Motivation für die Teilnahme. Vielleicht könne so anderen Mut gemacht werden, die Dinge anzugehen und sich vor allem präsenter zu zeigen, sei es im Bereich der Interessensvertretung oder auf betrieblicher Ebene, lautet ihr Wunsch an ihre Berufskolleginnen. Die promovierte Agrarwissenschaftlerin führt den Hof ihres Ehemannes gemeinsam mit ihm in einer GbR. „Auch davor war ich bereits in das Betriebsgeschehen involviert, allerdings habe ich in Teilzeit noch an der Universität Göttingen gearbeitet“, beschreibt sie die Entwicklung.

Heute bewirtschaftet das Ehepaar den Ackerbaubetrieb im nördlichen Harzvorland mit etwa 220 Hektar Ackerfläche mit Weizen, Roggen, Gerste, Raps und Zuckerrüben. Seit 2018 halten sie zudem Legehennen im Mobilstall. „Aktuell haben wir zwei Mobilställe mit insgesamt 800 Stallplätzen“, sagt Wellner. Die Eier vermarkten sie größtenteils ab Hof. „In der gemeinschaftlichen Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes tritt die Frau, wenn sie nicht die Betriebseigentümerin ist, durch die Einstufung als mitarbeitende Familienarbeitskraft, häufig in den Hintergrund. Und das völlig zu Unrecht“, hat Wellner festgestellt.

Ihr ist wichtig, dass der Schritt, die Ehefrau auch formell als gleichberechtigten geschäftlichen Partner anzuerkennen, viel häufiger vollzogen wird und weniger in Frage gestellt wird. Dazu gehöre auch, dass die Vorgehensweisen der Ämter in den Bereichen Kranken- und Altersabsicherung, Mutterschutz und Elterngeld hinterfragt werden. „In diesen Bereichen sehe ich aus eigenen Erfahrungen noch ein sehr traditionell geprägtes Bild der Frau, was so nicht der Realität entspricht“, sagt Wellner. Auch das althergebrachte Familienbild im Bezug zur Care-Arbeit, sei an manchen Stellen schwer zu durchbrechen. „In beiden Punkten bedarf es oft einer ordentlichen Portion Durchsetzungskraft“, ist sie sich bewusst. (LPD 93/2024)

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