Geduld ist beim Trüffelanbau in Niedersachsen Pflicht

Foto: Landvolk Niedersachsen

Fabian Sievers will Alfelder Trüffel als regionale Delikatesse vermarkten

L P D – „Man muss sechs bis zehn Jahre Geduld mitbringen, bevor man erste Ergebnisse ernten kann. Bei mir ging es 2019 nach sechseinhalb Jahren los. Von Jahr zu Jahr werden es mehr“, beschreibt Fabian Sievers den langen Weg eines Trüffel-Bauers. 2012 hat der 49-Jährige seine Trüffelplantage in der Nähe von Alfeld in Südniedersachsen angelegt. Auf einem Hektar wachsen seitdem 800 beimpfte Trüffelbäume unter Haselnuss, Linde, Eiche, Rot- und Hainbuche sowie 200 Begleitbäume wie Wildapfel und -kirsche sowie Felsenbirne.

„Das Leinebergland ist mit seinen Muschelkalkböden für den Anbau von Trüffel wie geschaffen. Eigentlich ist die Erntezeit vorbei, doch Burgunder- und Winter-Trüffel werden in milderen Wintern vereinzelt bis in den März gefunden“, erklärt Sievers gegenüber dem Landvolk-Pressedienst und als Beweis bringt Trüffelhund Woopee einen Trüffel nach dem anderen zu seinem Herrchen und erhält im Austausch dafür sein Leckerli.

Fabian Sievers würde sich wünschen, dass mehr Landwirte aus der Region auf dieses Standbein setzen. „Ganz Deutschland ist Trüffelland. Überall gibt es Standorte, wo Trüffel gut wachsen. Der Muschelkalk macht unsere Region zur Hochburg“, erklärt der Kämpfer für heimische Trüffel, der auf dem Weg zum Pilzsachverständigen bei den Trüffeln hängen geblieben ist und 2011 seinen Job in der Musikbranche für den landwirtschaftlichen Anbau von Trüffeln an den Nagel hängte. Dass Trüffelanbau ordnungsgemäße Landwirtschaft ist, darauf legt er großen Wert, denn seine Trüffelplantage ist als bundesweiter Präzedenzfall eingegangen. „Ich produziere Nahrungsmittel und brauche die Symbiose von Pilz und Baum, die Mykorrhiza, so wie der Apfel- bzw. Obstbauer mit seinen Plantagen auch – und betreibe keine Aufforstung, wie mir die Ämter immer unterstellen wollten. Ich kultiviere den Pilz, nicht den Baum. Das war ein zäher und langer Kampf“, schildert Sievers mit gewissem Stolz.

Jetzt setzt der Trüffel-Bauer auf Zeit und gutes Pilzwetter, damit die Fruchtkörper unter der Erde gut gedeihen. „Wer meint, damit schnell reich zu werden, liegt falsch. Vom Trüffel selbst könnte ich zurzeit noch nicht leben, das sind nur ein paar Kilogramm“, erklärt Sievers, der seither von der Anbauberatung und -kurse in kleinen Gruppen oder einzeln, der Trüffelhundeausbildung, aber vor allem vom Produzieren und Verkauf von beimpften Trüffelbäumen, die er von seiner Trüffelbaumschule an Kunden in ganz Deutschland verschickt, lebt. Natürlich gehört auch die Hege und Pflege der Plantage dazu: das Einzäunen gegen Wildverbiss, das Kurzhalten des Unterbewuchses zwischen den Bäumen und wenn nötig, wie im Trockensommer 2018, das Wässern der Pflanzen. Sievers fasziniert die extensive und naturnahe Form des Anbaus, gerne gibt er dieses Wissen an Interessierte weiter. Zur Ernte der Trüffel nutzt er Woopees natürliches Suchverhalten. Der italienische Wasserhund Lagotto Romagnolo ist perfekt geeignet. Alle Trüffel stehen in Deutschland unter besonderem Schutz, die wilde Trüffelsuche ist verboten. Die Hundekurse bietet er deshalb auch nur noch Leuten an, die beruflich mit Trüffeln arbeiten wollen, beziehungsweise ein gewisses Vorwissen mitbringen. Anfragen privater „Hobbyschnüffler“ sind ihm aufgrund der rechtlichen Lage einfach zu viel geworden. Seine Trüffel, die nun von Jahr zu Jahr mehr werden, gehen an Kunden und Gastronomie. Sievers Ziel ist, zukünftig mit einem Stand auf dem Markt seine Trüffel aus der Region als „Alfelder Trüffel“ an die Feinschmecker in der Region zu bringen. „So wie der Nienburger Spargel: regional, exklusiv, nachhaltig – halt was ganz Besonderes – ein Alleinstellungsmerkmal“, blickt Fabian Sievers guten Mutes in die Zukunft, dass Südniedersachsen Trüffelland wird. (LPD 2/2021)

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