Hafer – erlebt das volle Korn einen Boom?

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Anbau in Niedersachsen erhöht, gut einsetzbar für Fruchtfolge und Biodiversität

L P D – Verbraucherinnen und Verbraucher schätzen Haferprodukte als wesentlichen Bestandteil gesunder Ernährung, denn das Vollkorn enthält alle Kernbestandteile und hat somit einen besonders hohen Nährstoffgehalt. Aber das feingliedrige und dadurch leicht erkennbare Getreide ist für Landwirte nicht leicht zu händeln, weshalb der Anbau von Hafer extrem schwankt. „Hafer wird meist an ertragsschwächeren Standorten angebaut. Wenn dann das Wetter nicht so mitspielt, ernten Landwirte quantitativ und qualitativ nur geringe Mengen“, erklärt der Vorsitzende des Pflanzenausschuss im Landvolk Niedersachsen, Karl-Friedrich Meyer. Während 2019 Hafer nur auf gut 10.000 Hektar (ha) angebaut wurde, haben Niedersachsens Landwirte 2020 auf ihren Feldern Hafer auf einer Fläche von fast 15.000 ha ausgesät, teilt der Landvolk-Pressedienst mit.

„Wir bewegen uns in diesem Jahr nach dem Einbruch 2019 zwischen der Anbaufläche von 2016 mit gut 13.000 ha und der von 2018 mit 16.000 ha“, zeigt Meyer auf. Das habe seine Gründe zum großen Teil in der Witterung mit den Trockenjahren 2018/19. „Die Ertragsunterschiede zwischen der Praxis und den Landessortenversuchen (LSV) sind bei Hafer besonders groß. Hafer wird in der Praxis häufig auf ertragsschwächeren Standorten angebaut. Außerdem steht er in der Fruchtfolge meist nicht an der besten Position, obwohl er sich dafür eigentlich anbietet“, führt Meyer aus.

Das Rispengras aus der Familie der Süßgräser benötigt nur wenig Pflanzenschutz- und Düngemittel. Der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) schreibt Hafer die beste Unkrautunterdrückung unter allen Sommergetreiden und weitere nachhaltige Eigenschaften zu, die zukünftig zu einem größeren Anbau führen können. Der Anbau von Hafer mindere Wurzel- und Halmbasiskrankheiten und reduziere Vergrasungsprobleme. Betriebe in Roten Gebieten schätzen Hafer, da sich dieser positiv auf die Stickstoffbilanz des gesamten Betriebs auswirke. Auch die Biodiversität wird mit Sommerhafer erhöht, denn bodenbrütende Vogelarten profitieren von der späteren Frühjahrsentwicklung und dem besseren Nahrungsangebot. Im Zuge der Klimaveränderungen mit geringeren Niederschlägen kann sich Hafer besser anpassen als andere Ackerfrüchte.

Doch die Qualitätskriterien der Schälmühlen sind für Hafer hoch: Gute Schälbarkeit, ein hoher Kernanteil, gute Korngröße von über zwei Millimeter, ein geringer Feuchtigkeitsgehalt von unter 13 Prozent sowie ein Hektolitergewicht (hlG) von über 52 Kilogramm sind neben weiteren ausschlaggebend. „Da das hlG bei uns eher unter 50 kg liegt, können die deutschen Mühlen ihren Bedarf nicht decken und importierten 2018 zumeist aus Finnland und Schweden fast 560.000 Tonnen (t) Hafer“, erklärt Karl-Friedrich Meyer. Der Markt ist eigentlich da, denn die Hafer-Einfuhr stieg von 2008 bis 2018 um 70 Prozent von 280.000 t auf 560.000 t. Im gleichen Zeitraum nahm aber die Anbaufläche in Deutschland um 22 Prozent auf gut 140.000 ha ab. Bislang hat der Haferanbau in den vergangenen 20 Jahren bei den Landwirten nicht die Beachtung gefunden – trotz seiner agronomischen Vorteile und der zunehmenden Verwendung in Lebensmitteln. Doch der verstärkte Trend zu nachhaltiger, vegetarischer und veganer Ernährung sowie zahlreiche neue Produkte in diesem Segment vor allem durch jüngere Käufergruppen versprechen dem Alles-Korn Hafer eine gute Prognose, sodass er zukünftig vielleicht wieder öfter auch auf Niedersachsens Feldern zu sehen sein wird. (LPD 60/2020)

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