Hennies: Landwirtschaft und Klimaschutz aufeinander abstimmen

Dr. Nataly Jürges, Dr. Holger Hennies und Hubertus Berges (v.l.) stellen heute im Landvolkhaus die Klimaschutzstrategie des Landvolk Niedersachsen vor Foto: Landvolk

Landvolk legt eigene Strategie vor – Leistungen müssen honoriert werden

„Der weltweite Bedarf an Lebensmitteln wird steigen. Im Sinne der Ernährungssicherung muss die niedersächsische Landwirtschaft ihren Beitrag leisten und gleichzeitig den Klimaschutz beachten“, sagte Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies (heute) in Hannover in einer Pressekonferenz, bei der Hennies zusammen mit Landvolk-Vizepräsident Hubertus Berges die Grundzüge der Klimaschutzstrategie des Landesbauernverbandes vorgestellt hat. „Es muss eine Art ‚Niedersächsischen Weg‘ für den Klimaschutz geben“, schlägt Hennies vor. „Leistungen der Landwirtschaft fürs Klima müssen honoriert werden.“

Niedersachsens Landwirte müssen weiterhin die Möglichkeit haben, auf Märkte zu reagieren, heißt es in dem gut 90-seitigen Strategiepapier. Eine Verlagerung der Lebensmittelproduktion ins Ausland würde nach derzeitigem Wissensstand nachweislich zu noch höheren Emissionen von Treibhausgasen führen. „Zwar würden diese nicht mehr innerhalb Niedersachsens entstehen und damit das Erreichen der niedersächsischen Klimaziele unterstützen – dem Kampf gegen den Klimawandel wäre jedoch ein schlechter Dienst erwiesen“, erläuterte Hennies. Die Produktion von Lebensmitteln und damit die Ernährungssicherung müsse die vordringliche Aufgabe der hiesigen Landwirtschaft bleiben.

Hennies legte dar, welche Leistungen die Landwirtschaft bereits für den Klimaschutz erbracht hat, wo es noch Potenzial gibt, und warum die niedersächsischen Milchbauern bereits „Klimaweltmeister“ sind. „Bei der landwirtschaftlichen Erzeugung werden unvermeidbar Klimagase freigesetzt. Da der globale Bedarf an Lebensmitteln deutlich steigt und gleichzeitig die Flächenverfügbarkeit sinkt, gilt es, auf den landwirtschaftlichen Flächen nachhaltig möglichst viel zu erzeugen und gleichzeitig möglichst wenig Klimagase zu emittieren. Berechnungsgrundlage für die Klimaeffizienz von Maßnahmen sollten daher nicht die Flächeneinheiten wie Hektar, sondern die Produkteinheiten wie 1 kg Milch oder 1 kg Weizen sein“, sagte der Landvolkpräsident. Die Landwirtschaft in Niedersachsen sei jetzt schon hocheffizient, weil besonders wenig Treibhausgase je produzierter Einheit ausgestoßen würden.

„Landwirtinnen und Landwirte dürfen nicht zwischen gegensätzlichen Ansprüchen der Gesellschaft zerrieben werden“, bekräftigte Hennies. Naturschutz, Tierwohl, Klimaschutz und Ernährungssicherheit müssten eng aufeinander abgestimmt werden, anstatt als gegenläufige Interessen auf dem Rücken der landwirtschaftlichen Betriebe ausgetragen zu werden und diese zum Aufgeben zu zwingen.

„Die Branche kann ihren Beitrag zum Klimaschutz noch weiter erhöhen, ist dafür jedoch auf rechtliche Reformen, Bürokratieabbau sowie finanzielle Unterstützung angewiesen“, ergänzte Landvolk-Vizepräsident Berges. Die Klimastrategie des Landesbauernverbandes Niedersachsen zeige, welche politischen Weichenstellungen dafür notwendig sind. „Mit den aktuell verfügbaren Technologien und dem aktuellen Stand des Wissens sind, ohne eine reduzierte Erzeugung, zehn bis 20 Prozent Minderung der Treibhausgasemissionen auf den Höfen zu erreichen“, erläuterte Berges.

In der Klimastrategie des Landesbauernverbandes werden insgesamt 41 Maßnahmen nach Effizienz, Kosten und zügiger Umsetzbarkeit bewertet. Insbesondere müsse das Potenzial, Kohlenstoff aus landwirtschaftlichen Reststoffen lang- und mittelfristig durch stoffliche Nutzung zu speichern, stärker als bisher genutzt werden. Nachwachsende Rohstoffe könnten beispielsweise Grundstoffe der chemischen Industrie substituieren. „Die lang- und mittelfristige Speicherung von Kohlenstoff in Produkten muss bilanziell ebenso wie die Leistungen in der Energieproduktion der Landwirtschaft positiv zugerechnet werden“, forderte Hennies.

Neben den 41 Maßnahmen, die zu einer Reduktion der Treibhausgase des Landwirtschaftssektors beitragen können, hat der Verband zwölf „Klima-Kernpunkte“ an die Politik formuliert, die ebenso wie das gesamte Strategiepapier unter folgendem Link abrufbar sind:

KlimaSchutzStrategie für die niedersächsische Landwirtschaft (pdf)

KlimaSchutzStrategie für die niedersächsische Landwirtschaft – Kernpunkte (pdf)

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