Hofnachfolge muss endlich attraktiver werden

Nach dem gelungenen Junglandwirtetag, von links: Christoph Giere (Vorstandsteam Junglandwirte Niedersachsen), David McAllister, Stefanie Sabet, Prof. Heiko Tapken, Anneke Eggers (stellv. Vorsitzende Junglandwirte Niedersachsen), Max Klockemann (Vorsitzender Junglandwirte Niedersachsen) Foto: Landvolk

Junglandwirte fordern bessere Rahmenbedingungen und Planungssicherheit

L P D – „Wir wollen und wir können“ – lautet die Antwort der Junglandwirte. Selbstbewusst steht die junge Generation der Landwirte in den Startlöchern. Das Interesse am Beruf ist groß. „Das belegen die steigenden Ausbildungszahlen in Niedersachsen“, betonte Max Klockemann, Vorsitzender der Junglandwirte Niedersachsen, vergangenen Freitag beim Junglandwirtetag 2026 in Bad Bevensen, mit Blick auf den gut ausgebildeten Berufsnachwuchs.

Mehr als 400 Junglandwirtinnen und Junglandwirte sowie Gäste aus Politik und Verbänden waren der Einladung der Junglandwirte Niedersachsen und des Arbeitskreises junge Landwirte Uelzen gefolgt. Sie wollten wissen: „Hat sich die Situation für die Hofnachfolger nach den großen Bauerndemos vor zwei Jahren inzwischen verbessert?“

Unter dem Eindruck immer schwierigerer Rahmenbedingungen machte Klockemann deutlich, wie ernst die Lage für den Berufsnachwuchs ist: In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland um 20 Prozent gesunken. Zudem ist die Hälfte der Betriebsleiter älter als 55 Jahre. Bei zwei Dritteln der landwirtschaftlichen Betriebe ist die Nachfolge ungeklärt. „Das ist dramatisch“, brachte es der Ackerbauer aus dem Weserbergland auf den Punkt. „Hofnachfolge muss dringend wieder attraktiver werden.“ In einem eindringlichen Appell an die Politik forderte er endlich mehr Planungssicherheit und mehr Wertschöpfung in den Betrieben sowie weniger Einflussnahme durch den Handel und einen Rückbau der Bürokratie.

Der Europaabgeordnete David McAllister nahm die Junglandwirte mit auf eine Reise von der Entstehung der Europäischen Union bis heute. Über 80 Jahre Demokratie und Frieden gelte es gegenüber den zunehmenden antidemokratischen Kräften zu verteidigen. McAllister warb darüber hinaus für eine starke, geschlossene Europäische Union, die sich seit Jahren im Krisenmodus befinde. Nur gemeinsam können die Nationen, die damit verbundenen gigantischen Herausforderungen angehen. Die Ernährungssicherheit stelle für McAllister mit Blick auf die strategische Bedeutung der Landwirtschaft die fundamentale Frage für die Zukunft Europas dar und dürfe nicht leichtfertig aufgegeben werden.

Stefanie Sabet, Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes, griff die Sorgen der Junglandwirte auf und rief ihnen zu: „Unser Ziel als Bauernverband ist klar: Sie als junge, ambitionierte Menschen sollen sich nicht mit unnötigen Hürden auseinandersetzen müssen, sondern sich wieder ihrem Kerngeschäft – Ackerbau und Tierhaltung – widmen können.“ Der Bauerverband habe wichtige Verbesserungen für die Landwirtschaft erkämpft: Streichung der Stromstoffbilanz, Einführung der 90-Tage-Regelung für Saisonarbeitskräfte, Aufnahme des Wolfs in das Jagdgesetz und Entlastungen im Energie – und Stromsteuergesetz. Erst vorige Woche habe zudem die CDU bei ihrem Bundesparteitag in Stuttgart den Antrag auf eine Ausnahme vom Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte angenommen. Sabet versicherte den Junglandwirten: „Der Bauernverband wird sich weiterhin unermüdlich für die Belange der Landwirtschaft einsetzen. Die Hofnachfolge darf nicht an schlechten Rahmenbedingungen scheitern.“

Heiko Tapken, Professor der Ingenieurwissenschaften und Informatik an der Hochschule Osnabrück, hatte ein Praxisthema im Gepäck: „Künstliche Intelligenz in der Landtechnik: Zwischen Fiktion und Realität“. Er zeigte auf, was Künstliche Intelligenz (KI) in der Agrartechnik leistet. Tapken betonte, dass sich die beste KI der Zukunft nahtlos – und idealerweise unbemerkt – in agronomische Abläufe integriere: Digitale Zwillinge könnten landwirtschaftliche Betriebe künftig in Echtzeit unterstützen und Entscheidungsprozesse verbessern. Hier betonte Tapken, dass Souveränität und Hoheit über Betriebsdaten klar beim Landwirt liegen müssen.

Die Verteidigung der Demokratie in der Europäischen Union, die Wettbewerbsfähigkeit und das Budget der Gemeinsamen Agrarpolitik sowie die KI-Abhängigkeiten vom Ausland rundeten in der abschließenden Podiumsdiskussion das Programm des diesjährigen Junglandwirtetages ab. (LPD 17/2026)

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