„Ich liebe es, auch mal stundenlang zu grubbern“

Charlotte Schumacher ist stellvertretende Vorsitzende im Landvolk-Arbeitskreis Unternehmerinnen: "Wir müssen uns ein dickeres Fell aneignen, uns mehr zutrauen und weniger über kleine Fehler nachdenken, denn aus denen lernen wir ja schließlich auch.“ Foto: Landvolk Niedersachsen

Charlotte Schumacher ist stellvertretende Vorsitzende im Landvolk-Arbeitskreis Unternehmerinnen

L P D – „Ich bin vielseitig interessiert und daher immer offen für Neues und Veränderung. Das macht mich flexibel genug für die ‚unsichere‘ Zukunft und ich hoffe, dadurch auch unseren Betrieb entsprechend vielfältig und auch langfristig wirtschaftlich gut aufstellen zu können“, beschreibt Charlotte Schumacher aus Springe die Gründe, warum sie sich so sehr für die Landwirtschaft begeistert. Sie sei „einfach gerne draußen unterwegs“, findet den Beruf der Landwirtin „absolut vielseitig und herausfordernd“ und sie stellt klar: „Ich liebe es, genauso auch mal stundenlang auf dem Trecker zu sitzen und zu grubbern, ohne den Kopf großartig benutzen zu müssen.“ Charlotte Schumacher ist aufgewachsen auf einem Ackerbaubetrieb mit Zuckerrüben, Getreide, Raps, Mais und Aroniabeeren mit Direktverkauf ab Hof und zusätzlicher Grüngutannahme. Aktuell führt die studierte Landwirtin mit ihren Eltern eine GbR und ist in Vollzeit als Verkaufsleitung für Gemüsesaatgut für Deutschland, Österreich, Schweiz und Skandinavien angestellt bei einer GmbH in Edemissen im Landkreis Peine.

„Ich habe den Eindruck, dass wir Frauen häufig unterschätzt werden und uns weniger zugetraut wird – egal, ob es in der praktischen Landwirtschaft ist oder bei meiner Tätigkeit als Angestellte. Frauen müssen häufig mehr für sich und ihr Können einstehen und mehr leisten, weniger Fehler machen, um bei den männlichen Kollegen geschätzt oder anerkannt zu werden“, hat Charlotte Schumacher beobachtet. „Wir müssen uns ein dickeres Fell aneignen, uns mehr zutrauen und weniger über kleine Fehler nachdenken, denn aus denen lernen wir ja schließlich auch.“

Ihrer Erfahrung nach gibt es viele Frauen mit großartigen Ideen, die sie praktisch auf den Höfen oder im Ehrenamt umsetzen, um entweder ihre Betriebe weiterzuentwickeln oder am Image der Landwirtschaft zu arbeiten. Das sieht sie als großen Vorteil und sagt: „Frauen sind empathisch, hören gut zu und arbeiten strukturiert. Frauen sind gerade bei Entscheidungen konsequenter und auch gewissenhafter.“ Diese Erkenntnisse möchte die junge Landwirtin auch in ihre Ehrenämter und in den Arbeitskreis Unternehmerinnen beim Landvolk einbringen. „Ich wünsche mir, dass wir Frauen in der Landwirtschaft grundsätzlich etwas sichtbarer werden. Ich denke, dass wir Frauen häufig einen anderen Blickwinkel auf die landwirtschaftlichen Themen haben als die Männer, so dass wir alle gemeinsam für eine zukunftsfähige Landwirtschaft mit guten Rahmenbedingungen einstehen können. Ich hoffe, wir gewinnen mehr Frauen für das Ehrenamt, die Lust haben sich für unseren Berufsstand zu engagieren.“ Mit mehr gesundem Menschenverstand und Pragmatismus sei eine zukunftsfeste Landwirtschaft und Planungssicherheit kein Wunschdenken. Dafür müssten Fachleute zu Rate gezogen werden, und es dürfe keine völlig fachfremden Politiker mehr in entscheidenden Ämtern geben. (LPD 73/2024)

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