Junglandwirte fordern Tierschutz mit Augenmaß

V.l.n.re.: Christine Kolle (GF Junglandwirte Nds.), Anke Hennig MdB, Rebecca Schamber MdB und die Junglandwirte Anneke Eggers, Anneke Kreißig und Max Klockemann tauschten sich über das geplante Tierschutzgesetz aus Foto: J. Ratte

Diskussion mit Bundestagsabgeordneter Anke Hennig über geplante Gesetzesnovelle

L P D – Anlässlich ihrer Sommerreise tauschte sich die Bundestagsabgeordnete Anke Hennig, Berichterstatterin der SPD-Fraktion für das Tierschutzgesetz, zusammen mit ihrer MdB-Kollegin Rebecca Schamber in Hannover mit dem landwirtschaftlichen Berufsnachwuchs über die geplante Novelle des Bundestierschutzgesetzes aus. Für die Junglandwirte Niedersachsen nahmen Anneke Kreißig, Anneke Eggers und Max Klockemann aus dem Vorstandsteam und Christine Kolle als Geschäftsführerin an dem Gespräch teil. „Mir ist wichtig, mit allen, die die geplanten Änderungen betreffen, zu sprechen“, sagte Hennig.

Beim Tierschutzgesetz ist unter anderem das Verbot des Schwanzkupierens bei Schweinen geplant. Die Schwänze sollen nur noch im Einzelfall und maximal ein Drittel gekürzt werden dürfen. Nach einjähriger Übergangsfrist müssen Aufzucht- bzw. Mastbetriebe unter anderem eine „Reduktionsstrategie“ verfassen, um das Schwanzbeißen zu verhindern. Zudem sind für die Schweinehalter Dokumentationspflichten vorgesehen, wie die tägliche Erfassung verletzter Tiere und alle vier Monate eine ausführliche Risikoanalyse und -bewertung.

„In meinem Betrieb versuchen wir seit drei Jahren bei einer kleinen Anzahl von Tieren auf das Kupieren der Schwänze zu verzichten“, erläuterte Annek Kreißig. „Das Schwanzbeißen taucht häufig ad hoc auf, zum Beispiel bei schwül-warmem Wetter und betrifft schnell eine große Anzahl von Tieren.“ Da die Einflussfaktoren wie Platzangebot, Beschäftigungsmaterial, Fütterung und Witterung äußerst komplex und zum Teil nicht beeinflussbar seien, ließen sich Lösungskonzepte weder zwischen Einzelbetrieben noch zwischen einzelnen Durchgängen innerhalb eines Betriebes übertragen. Wissenschaft und Beratung bräuchten deutlich mehr Zeit, um mit der Praxis Lösungsbausteine zu etablieren. Kreißig schlug vor, den bewährten nationalen „Aktionsplan Kupierverzicht“ vollständig in das geplante Tierschutzgesetz zu übernehmen. Denn die geplanten Änderungen bedeuteten ihrer Ansicht nach mehr Aufwand, ohne der Lösung näher zu kommen.

Die beiden Bundestagsabgeordneten versprachen, die Erläuterungen des Berufsnachwuchses in ihre Gespräche in Berlin mit einfließen zu lassen. (LPD 62/2024)

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