Landfrauen setzen sich für bessere Altersvorsorge ein

Auch Männer und Schwiegereltern leisten auf dem Hof "Care-Arbeit". Aber der Anteil ist bei den Frauen höher: 30 Stunden in der Woche leisten sie unbezahlte Arbeit. Foto: Landpixel

Care-Arbeit liegt immer noch oft in Frauenhand – SVLFG bietet viele Angebote

L P D – Frauen leisten in Deutschland viel mehr unbezahlte Arbeit als Männer, das zeigt eine neue Auswertung des Statistischen Bundesamtes. Diese unter dem Begriff „Care-Arbeit“ gefassten Aufgaben wie Einkaufen, Haushaltsorganisation, Kinderbetreuung, Gartenarbeit und ehrenamtliches Engagement, beträgt im Schnitt bei Frauen fast 30 Wochenstunden – neun Stunden mehr als bei Männern. Dabei geht es besonders auf landwirtschaftlichen Betrieben um viel mehr als den täglichen Abwasch beziehungsweise das Einräumen der Spülmaschine, schreibt der Landvolk-Pressedienst.

Oft lebten noch Altenteiler mit auf dem Hof und benötigten Pflege, für die traditionell immer noch ganz selbstverständlich die Frau zuständig ist, nachdem sie ihre eigenen Kinder großgezogen und sowohl im Stall als auch auf dem Feld mitangepackt hat. Eine eigene Altersvorsorge für die Frauen werde dagegen viel zu oft den Interessen des Betriebes untergeordnet. „Da wird eher in einen neuen Futtermischwagen investiert als etwas für die Altersvorsorge der Frau zurückzulegen“, bestätigt Ina Janhsen, Präsidentin des Niedersächsischen Landfrauenverbandes Weser-Ems.

Sie weist damit anlässlich des Frauentages am 8. März auf ein großes Problem hin. „Frauen wissen zu wenig über ihre eigene Altersvorsorge und übernehmen nicht genug Verantwortung für ihre eigene finanzielle Absicherung“, zitiert Janhsen aus der Studie „Frauen. Leben. Landwirtschaft“, die der Deutsche Landfrauenverband zusammen mit dem Thünen-Institut für Betriebswirtschaft und der Universität Göttingen angestoßen hat. Demnach konnten 25 Prozent die Frage nach ihrer Altersabsicherung überhaupt nicht beantworten. Weitere 17 Prozent der Befragten gaben das Altenteil als alleinige Vorsorge an. „Das Niveau des Altenteils wird von rund einem Drittel der befragten Frauen aber als nicht ausreichend eingeschätzt“, sagt Janhsen.

Juliane Vees, alternierende Vorsitzende der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG)-Vertreterversammlung, weist daher auf die zahlreichen bereits bestehenden zusätzlichen Angebote der SVLFG hin. „Handwerksfrauen beneiden uns sehr um die Möglichkeit der Landwirtschaftlichen Alterskasse“, sagt sie und kritisiert die Betriebe, die die Sozialversicherungspflicht durch Anstellung in einem Minijob-Verhältnis umgehen. „Die gesetzliche Altersvorsorge der ‚Bäuerinnenrente‘ entfällt dadurch, und die Versorgung im Alter ist gefährdet“, verdeutlicht sie. Die Befreiung von der Alterskasse sollte daher nicht nur aus steuerrechtlicher Sicht betrachtet werden.

Janhsen rät ebenfalls dazu, frühzeitig Eheverträge abzuschließen, damit die eingeheirateten Frauen auf den Höfen ausreichend abgesichert sind. „Obwohl die Frauen wichtige Aufgaben wie die Buchführung übernehmen und auch bei der Bank oft mit unterschreiben, sind sie nur selten in Führungspositionen“, bemängelt die Präsidentin. Diese Lücken müssten gefüllt werden, dass sei auch eine Frage der Wertschätzung. Die beiden Niedersächsischen Landfrauenverbände Weser-Ems und Hannover setzten sich daher seit Jahren für eine bezahlte Care-Arbeit ein und informierten ihre Mitglieder in der Fläche zu dem Thema. „Mein Mann hat unsere Kinder auf dem Trecker mitgenommen und meine Schwiegereltern haben auch oft auf sie aufgepasst“, lenkt Janhsen den Blick auf die positiven Seiten der Landwirtschaft: „Das ist auch Care-Arbeit.“ (LPD 18/2024)

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