Landwirte blicken im Erntedank auf besonderes Jahr

Bei der Übergabe der Erntekrone an Landesbischof Ralf Meister (4. v. l.) erinnerte Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies bereits daran, wie wichtig die Arbeit der Landwirte für die Ernährungs- und Versorgungssicherheit der Menschen ist. Gebunden hat die Krone die Heidjer Ortsgruppe der Niedersächsischen Landjugend (NLJ). Der Vorsitzende der NLJ, Hendrik Grafelmann (links) sprach über die Bedeutung der Erntekrone. Foto: Landvolk Niedersachsen

Erträge vielerorts besser als erwartet – Ökumenisches Fest im Hildesheimer Dom

L P D – „Trotz oder gerade wegen aller internationalen Krisen und politischen Unwägbarkeiten freue ich mich in diesem Jahr besonders auf den Erntedank, denn wir können zeigen, was wir als Berufsstand leisten und wie wichtig unsere Arbeit für die Ernährungs- und Versorgungssicherheit der Menschen ist“, sagt Dr. Holger Hennies aus Anlass des erstmals ökumenisch gefeierten Landeserntedankfest am 2. Oktober ab 15 Uhr in der Basilika St. Godehard in Hildesheim, an dem er als Präsident des Landvolks Niedersachsen teilnehmen wird.

In vielen Gesprächen und Begegnungen bemerkt der Landvolkpräsident seit einiger Zeit wieder mehr Wertschätzung für die so wichtige Tätigkeit der Bäuerinnen und Bauern in allen Segmenten. „Durch den Krieg in der Ukraine und den nicht mehr nur drohenden, sondern tatsächlich auch hierzulande inzwischen spürbaren Klimawandel wird jedem bewusst, dass Äpfel nicht vom Himmel fallen und Brot sich nicht ohne Zutaten backt“, betont Hennies. Mit den überwiegend ordentlichen Ernteergebnissen könnten die meisten Landwirte trotz der vielerorts vorherrschenden Dürre zufrieden sein. Egal, ob Getreide oder Obst: die Mengen liegen oft über dem Vorjahresniveau. „Dennoch sind viele Landwirtinnen und Landwirte derzeit nicht froh gestimmt“, weiß Hennies. „Es gibt einfach zu viele Unsicherheiten, zu hohe Kosten und zu viele vorhandene oder drohende Auflagen, die uns das Wirtschaften unnötig schwer machen.“

Die aktuellen Herausforderungen und Pläne wie der kürzlich von der EU-Kommission vorgelegte Entwurf einer „Verordnung über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln“ erzeugen enormen Druck auf den Höfen. Umweltauflagen, Wasserschutz, Insekten- und Artensterben, Reduzierung der Düngung, Fruchtfolgegestaltung und Rückbau der Tierhaltung sind weitere große Themen. Sie wurden in der Öffentlichkeit bisher diskutiert aus einer Sichtweise des Überflusses und der unbegrenzten Märkte. Das ändert sich gerade. Die Abhängigkeit in der Nahrungsmittelproduktion von Nachbarländern und Erzeugern aus Übersee wird spürbar immer größer, vieles wird teurer. Hennies: „Hier müssen wir gezielt gegensteuern, genau wie die Sicherung der Energieversorgung meiner Meinung nach auf breitere Füße gestellt werden muss. Wir brauchen eine Deckelung der Energiepreise, für den privaten Verbraucher, für die kleinen und mittleren Unternehmen und für uns Landwirte. Ernährung zu sichern, ist systemrelevant. Bäuerinnen und Bauern tun viel. Eine Politik der massiven Reduzierung der europäischen Lebensmittelerzeugung ist unverantwortlich. Ich werde nicht müde zu fordern, dass die EU ihren ‚Green Deal‘ nachjustieren muss.“ (LPD 75/2022)

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