„Landwirte können auf der ganzen Welt arbeiten“

„Das Halten von Nutztieren, der Umgang mit Natur, die Veränderung der Jahreszeiten, Aussaat, Pflege und Ernte – das ist der Ursprung landwirtschaftlicher Arbeit und nach wie vor meine zentrale Motivation“, sagt Roberg Foto: Landvolk

Portrait Martin Roberg – Vorsitzender Ausschuss Bildung

L P DJunge Menschen mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung können auf der ganzen Welt arbeiten – ganz egal wo“, hebt Martin Roberg die Vielseitigkeit des Berufs hervor. Der Schweinehalter setzt sich seit vielen Jahren auf unterschiedlichen Ebenen für die Belange der Landwirtschaft ein und vertritt seine Berufskollegen mit viel Menschenkenntnis unter anderem als stellvertretender Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg. Möglich ist dieses große Engagement für den Landwirt nur, weil seine Familie mit Ehefrau Angelika, Sohn René und dessen Familie voll hinter ihm stehen. „René ist bereits in den Hof eingestiegen, das gibt mir viele Freiheiten“, sagt der 60-Jährige, der seine Freizeit neben dem Ehrenamt auch gerne mit den drei Enkelkindern verbringt.

„Das Halten von Nutztieren, der Umgang mit Natur, die Veränderung der Jahreszeiten, Aussaat, Pflege und Ernte – das ist der Ursprung landwirtschaftlicher Arbeit und nach wie vor meine zentrale Motivation“, sagt Roberg. Gleichzeitig ist seine Arbeit geprägt von einem ausgeprägten Verständnis für die Veränderungen in der Landwirtschaft – sowohl im eigenen Betrieb als auch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene. „Die zunehmende Bürotätigkeit ist in vielen Bereichen notwendig – manchmal interessant, manchmal überflüssig“, beschreibt er die starke Wandlung der Rolle des Betriebsleiters. Neben fachlichem Wissen in Tierhaltung und Pflanzenbau brauche es heute zusätzlich Kompetenzen in Mitarbeiterführung, Organisation und Verwaltung. Wachsende Betriebe, zunehmende Anforderungen an Tierwohl und Umweltschutz sowie eine deutliche Zunahme bürokratischer Aufgaben hätten die Landwirtschaft tiefgreifend strukturell verändert.

Seit 2021 ist Roberg Vorsitzender des Ausschusses für Berufliche Bildung und Bildungspolitik im Landvolk Niedersachsen. In Abstimmung mit Ausbilderinnen und Ausbildern im Beruf Landwirt/in dreht sich dort alles um die berufliche Aus- und Fortbildung sowie um die berufliche Weiterbildung. Seit 2023 ist Roberg zudem Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses, der bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen angesiedelt ist.

Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Bildungsbereich ist Roberg unter anderem im Arbeitskreis Sauenhaltung und im Veredlungsausschuss des Landvolks Niedersachsen aktiv. „Ich sehe es als meine Aufgabe, Meinungen von Berufskollegen aufzunehmen, zu bündeln und in Richtung Politik, Gesetzgebung und Institutionen weiterzugeben“, sagt er. Ein besonderes Anliegen ist ihm der Austausch zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft. „Wir brauchen beides – ökologisch und konventionell“, sagt Roberg.

Auf seinem eigenen Hof setzt Roberg auf moderne Technologien und nachhaltige Lösungen. Seit fast 15 Jahren betreibt er Photovoltaikanlagen, zuletzt ergänzt durch einen 120-kW-Speicher, der eine nahezu autarke Energieversorgung des Sauenstalls ermöglicht. Die Digitalisierung nutzt er gezielt zur Optimierung der Betriebsabläufe – etwa bei der Buchführung, Stallmanagementsystemen oder GPS-gestützten Maschinen. „Unsere Felder sind eingescannt und ihre Größen digital erfasst – das erleichtert zum Beispiel die Führung der Ackerschlagkartei und macht sie präziser und schneller im Bereich Pflanzenschutz und Düngung“, freut er sich über den Fortschritt.

Im Bereich Tierwohl erprobt Roberg neue Haltungsformen. Der Abferkelbereich seines Betriebs umfasst beispielsweise 7,5 Quadratmeter je Sau – deutlich mehr als der gesetzliche Standard. „Es ist wichtig, vorne mit dabei zu sein – und zugleich zu erkennen, wenn man das Ziel überschreitet“, mahnt er, bei aller Innovationsfreude Augenmaß zu bewahren. Er fordert von Politik, Medien und Gesellschaft mehr Verlässlichkeit für die Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte: „Veränderungen müssen in kleinen Schritten angegangen werden. Und die Entscheidungen müssen dann auch über Jahre Bestand haben und nicht schon während der Umsetzung wieder geändert werden.“ (LPD 54/2025)

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