„Landwirtinnen müssen sichtbarer werden“

Christel Schulte-Wülwer: „Frauen dürfen nicht nur als ‚mithelfende Ehefrau‘ oder ‚Tochter des Hofes‘ gesehen werden, sondern als eigenständige Entscheidungsträgerinnen.“ Foto: Schulte-Wülwer

Nicht nur zum Weltfrauentag haben Betriebsleiterinnen klare Vorstellungen vom Leben und Arbeiten auf dem Hof

L P D – „Frauen dürfen nicht nur als ‚mithelfende Ehefrau‘ oder ‚Tochter des Hofes‘ gesehen werden, sondern als eigenständige Entscheidungsträgerinnen.“ Das sagen übereinstimmend Christel Schulte-Wülwer und Charlotte Schumacher, die Vorsitzende und die Stellvertreterin des Arbeitskreises Unternehmerinnen im Landvolk Niedersachsen, anlässlich des Weltfrauentages am 8. März. Den beiden aktiven Landwirtinnen geht es dabei einerseits um Anerkennung innerhalb des Berufsstandes, aber auch um mediale Präsenz und damit das Erreichen einer großen Öffentlichkeit, um die professionelle Bedeutung der weiblichen Betriebsleiterinnen auch gesamtgesellschaftlich zu stärken. „Wir müssen sichtbarer werden, so dass es völlig selbstverständlich wird, dass beide Geschlechter in der Landwirtschaft regelmäßig zu sehen und zu hören sind“, bringt es Charlotte Schumacher auf den Punkt.

Gesellschaftlich bestehe noch oft das Bild, dass Landwirtschaft „Männersache“ sei. Schulen, Ausbildungsstätten und Medien müssten nach Ansicht der Arbeitskreis-Vorsitzenden Schulte-Wülwer moderne Vorbilder zeigen und gezielt Mädchen für landwirtschaftliche Berufe begeistern, weil bislang nur gut zehn Prozent der Frauen auch Betriebsleiterinnen sind. „Wir werden immer mehr Frauen in Ehrenämtern und in politischen Ämtern, was schon ein guter Schritt in die richtige Richtung ist“, beobachtet die stellvertretende Vorsitzende Charlotte Schumacher. „Allerdings müssen wir aufpassen, dass wir Positionen nicht über Quoten besetzen, sondern weil jemand gut ist, egal ob Mann oder Frau“, meint die junge Landwirtin.

„Unser Arbeitskreis beschäftigt sich mit einer Vielzahl von Themen, die sich am realen Leben der Frauen und Unternehmerinnen auf den Höfen orientieren. Durch den gemeinsamen Austausch stärken und motivieren wir uns gegenseitig – auch mit dem Ziel, sich noch intensiver ehrenamtlich zu engagieren. Nur da, wo sich Frauen und Unternehmerinnen aktiv einbringen, können sie Themen in ihrem Sinne mitgestalten“, ergänzt Schulte-Wülwer. Ein Thema sei zum Beispiel der fehlende Mutterschutz für selbstständige Unternehmerinnen: „Dieser hält viele Frauen vom Schritt in die Selbstständigkeit ab. Dabei kann und darf weder die Land- noch die Gesamtwirtschaft auf den Tatendrang und den Mut zu Innovationen, den junge Frauen haben, verzichten.“

Die Notwendigkeit, als Unternehmerinnen Flagge zu zeigen, ergebe sich auch aus dem Ergebnis der jüngsten Bundestagswahl: Hier ist der Frauenanteil bei den Abgeordneten auf 31,4 Prozent gesunken. Das repräsentiere nicht den Anteil der Frauen von mehr als 50 Prozent an der Bevölkerung. (LPD 19/2025)

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