Lange: Bei Mercosur ist noch nichts in Stein gemeißelt

Das Foto zeigt von links nach rechts Dr. Tom Pielhop und Nora Lahmann (beide Landvolk), Dr. Heinrich-Hubertus Helmke (DNZ), den Europaabgeordneten Bernd Lange, Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth, Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers sowie Natascha Henze und Markus Kappmeyer (beide Landvolk). Foto: Landvolk

Europaabgeordneter zu Gast im Landvolkhaus – Bedenken fließen in parlamentarische Prüfung mit ein

L P D – Die Sorgen der Landwirtinnen und Landwirte in Niedersachsen sind groß, dass das geplante Mercosur-Abkommen eine Gefahr von günstigen und qualitativ minderwertigen Importen birgt, die die heimischen Erzeugnisse verdrängen könnten. Um die Inhalte des Abkommens auf die Folgen für den Agrarsektor in Niedersachsen im Detail abzuklopfen, hat Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers den hannoverschen Europaabgeordneten (MdEP) Bernd Lange ins Landvolkhaus eingeladen. Der studierte Theologe und ausgewiesene Handelsexperte hat „Mercosur“ von Beginn an für die EU mit verhandelt. „Bei dem Thema ist noch nicht alles in Stein gemeißelt“, äußerte Lange in dem zweistündigen Fachgespräch. Er sicherte zu, dass der Vertragstext noch einer sorgfältigen Prüfung im Europäischen Parlament standhalten muss. Die Argumente aus der Landwirtschaft würden in Brüssel in jedem Fall gehört, zumal sich an der Einkommenssituation vieler Bäuerinnen und Bauern seit den Protesten vor Jahresfrist noch nicht viel geändert habe, so Lange.

Besonderes Augenmerk lenkte Jörn Ehlers auf den Fleischbereich, denn dort drohen durch Mercosur erhebliche Marktverwerfungen, vor allem wenn es um die Einfuhr der sogenannten „Edelteile“ geht. „Durch zollfreie Importkontingente könnte der Handel auf günstigere und zu geringeren Standards produzierte Ware zurückgreifen“, sagte Ehlers. Die Mercosur-Länder sind mit 56 Prozent bereits die Hauptimportquelle für Rindfleisch in die EU. Im Sektor Geflügel wird das heimische Fleisch weitere Marktanteile, insbesondere im Niedrigpreissegment, verlieren. Derzeit werden bereits 25 Prozent des in der EU konsumierten Brustfleisches aus Drittländern importiert, allen voran aus Brasilien. Dieser Anteil wird durch das Handelsabkommen weiter steigen, so die Befürchtung. Bernd Lange wies in diesem Zusammenhang auf die Kontrollmechanismen hin, die von der schärferen Überwachung der Produktion über die Zertifizierung der Ware bis hin zu Sanktionsmöglichkeiten im Abkommen verankert worden sind. „Für den Fall von Tierseuchen in der EU ist eine Regionalisierung festgeschrieben, so dass der Handel mit unbedenklicher Ware nicht ohne Weiteres eingeschränkt werden kann“, erläuterte der Europa-Abgeordnete. Zudem wies er auf Exportchancen für Milchprodukte, Käse und im Getränkesektor hin.

Die Folgen für das Zucker-Segment erläuterte detailliert Dr. Heinrich-Hubertus Helmke, Geschäftsführer des Dachverbands Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ). Er gab zu bedenken, dass es bei so unterschiedlichen Produktionsstandards keinen fairen Wettbewerb zwischen Ackerbauern in der EU und den Mercosur-Staaten geben könne. Bernd Lange versprach, die Argumente aus Niedersachsen aus dem konstruktiven Gespräch mit nach Brüssel zu nehmen. Jörn Ehlers appellierte abschließend: „Wir Landwirte sind keine Verhandlungsmasse und wir sind es leid, dass unsere Interessen oft hinter anderen politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen zurückfallen sollen.“ (LPD 07/2025)

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