Lohnt sich der Einstieg in die Aquakultur?

Neben Fisch und Muscheln tragen auch Algen zur Vielfalt der Aquakultur bei. Zwei Betriebe erzeugten 2024 in Niedersachsen 3.200 Kilogramm Algen und weitere aquatische Organismen. Besonders gefragt ist Spirulina als Nahrungsergänzungsmittel. Foto: pixabay

Niedersächsische Landjugend lädt zu Thementagen in Osnabrück ein

L P D – Der Arbeitskreis „Agrar“ der Niedersächsischen Landjugend (NLJ) widmet seine kommenden Thementage am 27. und 28. September ab 9.30 Uhr in Osnabrück zwei zentralen Fragen: „Lohnt sich der Einstieg in die Aquakultur?“ sowie „Land(auf), Land(ab) – Inklusion kennt keinen Rand“. Während die eine Gruppe die Zukunftsfähigkeit der Fisch- und Algenproduktion erkundet, befasst sich die andere mit gesellschaftspolitischen Aspekten der Inklusion im ländlichen Raum.

Für das Agrarthema ist ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet. Im Fokus stehen Kreislaufanlagen als moderne Form der Fischzucht. Besichtigt werden unter anderem der Aal-Hof Götting in Cloppenburg sowie die Wolfsbarsch-Erzeugung der Familie Niehues. Diese ist Teil der Initiative „Die Geflossenschaft“, die sich durch Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette positioniert hat. Ergänzend gibt Ulrich Averberg Einblicke in die Produktion von Mikroalgen. Ein Fachvortrag von Stefan Feichtinger von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen rundet das Programm mit ökonomischen Perspektiven ab.

„Neben Fachinformationen geht es uns um den Austausch der Teilnehmenden – und auch darum, miteinander ein schönes Wochenende zu verbringen“, betont NLJ-Agrarreferentin Jana Solf. Parallel steht für Interessierte das Thema Inklusion auf dem Land auf der Agenda. Mit dem blinden Landwirt Werner Meierfrankenfeld und der Politikerin Lena Nzume sind Gesprächspartner eingeladen, die praxisnah und auf Augenhöhe diskutieren werden.

Die Aquakultur gewinnt in Niedersachsen zunehmend an Bedeutung. Laut Landesamt für Statistik wurden 2024 insgesamt 4.505 Tonnen Aquakulturerzeugnisse produziert – ein Zuwachs von 17,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (3.836 Tonnen). Die Zahl der Betriebe sank jedoch von 105 auf 95. Produziert werden neben Fisch auch Krebs- und Weichtiere, Rogen, Kaviar sowie Algen.

Wie schon in den Vorjahren dominiert der Europäische Aal die Produktion. 2024 wurden 1.190 Tonnen erzeugt – das entspricht 45,2 Prozent der Gesamtfischmenge (2.633 Tonnen) und 26,4 Prozent der gesamten Aquakulturproduktion. An zweiter Stelle liegt die Lachsforelle mit 818 Tonnen, gefolgt von der Regenbogenforelle mit 265 Tonnen. Drei der 87 fischproduzierenden Betriebe haben sich auf Aale spezialisiert, 23 auf Lachsforellen und 62 auf Regenbogenforellen.

Einen deutlichen Aufschwung verzeichnet die Muschelproduktion. Nachdem die Mengen in den Vorjahren stark rückläufig waren und 2022 mit knapp über 1.000 Tonnen einen Tiefstwert erreichten, erholte sich die Erzeugung: 2023 wurden 1.197 Tonnen produziert, 2024 sogar 1.784 Tonnen – ein Plus von 49 Prozent. Einflussfaktoren sind neben klimatischen Veränderungen auch invasive Arten wie die Pazifische Auster sowie menschliche Eingriffe in Küstengebiete.

Neben Fisch und Muscheln tragen auch Algen zur Vielfalt der Aquakultur bei. Zwei Betriebe erzeugten 2024 in Niedersachsen 3.200 Kilogramm Algen und weitere aquatische Organismen. Besonders gefragt ist Spirulina, die als Nahrungsergänzungsmittel, Lebensmittelfarbstoff und Futtermittel genutzt wird und zunehmend auch in Lebensmitteln wie Smoothies oder Joghurts auftaucht.

Mit den Thementagen möchte die Niedersächsische Landjugend praxisnah zeigen, welche Chancen und Herausforderungen Aquakultur für landwirtschaftliche Betriebe und junge Menschen bereithält – und zugleich gesellschaftliche Fragen wie Inklusion aufgreifen. Anmeldungen sind unter info@nlj.de oder per Telefon 05113670445 möglich. (LPD 69/2025)

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