Maisernte startet in Niedersachsen zwei Wochen früher

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) rechnet in Deutschland mit einem Verlust in Höhe von 600.000 t, was Minus 15 Prozent unter der vorherigen DRV-Schätzung liegt Foto: Landvolk

Trockenheit fordert Tribut / Abreifezeitpunkt ist schwierig / Maiszünsler bekämpfen

L P D – Ende April wurde in Niedersachsen der Mais auf rund 600.000 Hektar (ha) ausgesät, seit vergangener Woche hat nun die Ernte von Silo- und Körnermais begonnen. Bei den sonst meterhohen Pflanzen sind die Auswirkungen der Trockenheit besonders gut erkennbar. „Normalerweise kann die Energie- und Futterpflanze bis zu 3,80 Meter hoch werden. Doch in diesem trockenen Jahr ist auf dem Feld deutlich zu sehen, wo die Maispflanzen ausreichend Wasser für das Wachstum erhalten haben oder nicht. Es gibt so trockene Standorte auch bei uns in Niedersachsen, wo der Mais gerade einmal kniehoch ist“, beschreibt Karl-Friedrich Meyer, Vorsitzender des Ausschusses Pflanze im Landvolk Niedersachsen, die Erntebedingungen, die gute zwei Wochen eher beginnen als üblich.

Aufgrund der zu hohen Temperaturen, der wenigen Niederschläge und der trockenen Böden ist eine ungewöhnlich schnelle Abreife zu erkennen. Jetzt müssten die Landwirte darauf achten, dass sie den Erntezeitpunkt nicht verpassen. „Wird der Mais zu trocken, verliert er an Gewicht. Mittelfrühe bis frühe Sorten haben im Süden Niedersachsen bereits Silierreife erreicht“, führt Meyer aus. Die weitere Abreife der zu erntenden Bestände muss richtig eingeschätzt werden, damit Lohnunternehmen und Maschinenringe nicht „Hals über Kopf“ den Mais ernten müssen. „Auf den Feldern ist es zudem zu einer extrem unterschiedlichen Abreife der Maisbestände gekommen. Während manche Stellen noch stehen bleiben könnten, um einen optimales Abreifestadium zu erreichen, müssen andere Bereiche schnellstens geerntet werden. Das ist die Schwierigkeit dieses Jahr – auch haben viele Bestände keine oder nur sehr kleine Kolben ausgebildet“, ergänzt der Pflanzenexperte des Landvolks.

Die Abreife des Maises im Osten Niedersachsens sehe aufgrund der Bodenbeschaffenheit und der Beregnungsmöglichkeit noch relativ normal aus. „Anders ist es im Westen und Süden Niedersachsens, wo der Mais bereits jetzt schon sehr hohe Trockensubstanz-Gehalte hat aufgrund von zu wenig Wasser. Auch der Norden wird mit der Ernte wesentlich früher beginnen als im Vorjahr“, erklärt Meyer. Er befürchtet, dass es zu Silierproblemen aufgrund von zu geringer Stärkeeinlagerung kommen wird. Auch wenn es jetzt zu Niederschlägen kommen sollte, sei es bereits für die Stärkeeinlagerung zu spät.

Nicht nur in Deutschland leidet der Mais unter der Trockenheit. In ganz Europa ist das der Fall. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) rechnet in Deutschland mit einem Verlust in Höhe von 600.000 t, was Minus 15 Prozent unter der vorherigen DRV-Schätzung liegt. Damit wird die deutsche Maisernte deutlich kleiner ausfallen als erwartet. In Deutschland liegt die Anbaufläche insgesamt bei Silomais bei 2.021.600 Hektar (ha) und bei Körnermais bei 466.200 ha. Insgesamt ist die Anbaufläche deutschlandweit um 8,2 Prozent gestiegen im Vergleich zum Vorjahr.

Damit auch im nächsten Jahr gute Maisbestände zur Futter- als auch zur Energieerzeugung geerntet werden können, sollten Landwirte vor der Ernte ihre Bestände auf Maiszünslerbefall kontrollieren, um eine Bekämpfungsstrategie – biologisch oder konventionell – für das nächste Jahr festzulegen. Kontrolle bedeutet: Mindestens 50 Maispflanzen mittig durchschneiden und die Anzahl der Larven zählen. Der Maiszünsler breitet sich seit Jahren im gesamten Bundesgebiet immer weiter aus und richtet erhebliche qualitative und quantitative Schäden in den Beständen an. Mit entsprechenden Präventionsmaßnahmen lässt sich die Ausbreitung des Schädlings eindämmen. (LPD 68/2022)

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