Milchbauern auf Moorstandorten haben es schwer

Diskussion um Wiedervernässung schafft Unsicherheit / Auflagen entwerten Flächen

L P D – Vor Jahrhunderten haben die Moorbauern dem Wasser das Land abgerungen, um es urbar zu machen. Diese Moor- und Marschböden dienen in Norddeutschland meist als Grünland für Kühe und Schafe. Ackerbau ist kaum möglich, denn die Torfböden sind dafür nicht beschaffen und lassen eine intensive Beackerung oft nicht zu, denn bei der ackerbaulichen Nutzung wird der gespeicherte Kohlenstoff vermehrt freigesetzt. Daher ist Milchviehhaltung auf Dauergrünland für diese Gegend optimal. Dem Moorschutz kommt daher im Zuge des Klimawandels eine immer größere Bedeutung zu. Das Wiedervernässen der Torfböden soll vor der Zersetzung und damit Freisetzung von Kohlendioxid schützen. „Unsere Moorbauern sagen Ja zu Moor- und Klimaschutz, aber mit Weitsicht und zu fairen Bedingungen“, erklärt Ausschussvorsitzender und Landvolk-Vizepräsident Manfred Tannen die Mitgestaltungsabsicht der Moorbauern. Wie Milchviehhalter auf Moorstandorten wirtschaften, darüber informierten sich die Mitglieder des Milchausschusses im Landvolk Niedersachsen bei Landwirt Janek Böschen in Grasberg.

Seit sechs Jahren ist der 26-jährige Janek Böschen Betriebsleiter auf dem Milchhof Böschen in Grasberg nordöstlich von Bremen. 800 Kühe mit 560 Tieren zur Nachzucht hat er im Stall stehen für die er gutes Futter haben muss. Dazu nutzt er 700 Hektar (ha) Fläche, wovon 360 Grünland sind. 260 ha davon wiederum sind Moorstandort. „Eigentlich haben wir einen guten Weg gefunden, damit klarzukommen. Wir wissen, wie wertvoll unsere Böden für uns und für die Natur sind. Doch Trockenheit sowie die Düngeverordnung, die uns bei der Ausbringung des Wirtschaftsdüngers beschränkt, sorgen dafür, dass wir nur wenig Futter von den Wiesen holen können. Es wächst nicht genug nach“, erklärt Böschen, der 18 Mitarbeiter beschäftigt. „Auf gänzlich wiedervernässten Böden wäre eine intensive Milchviehhaltung nicht möglich: Die Flächen wären nicht mehr befahrbar, und das Futter hätte eine schlechte Qualität.“

Grünland und Moor müssen für die Milchbauern wirtschaftlich bleiben, fordert Böschen, der sich von der Politik eine intensive Betrachtung dieses besonderen Lebensraums für Mensch, Natur und vor allem für die Landwirtschaft wünscht. Als alternative Fütterung baut er Mais, Roggen und etwas Weizen an. Doch sollte die Politik noch mehr Auflagen für die Moorstandorte festlegen, werde er vom Grünland absehen und stattdessen mehr Mais für seine Kühe kaufen. „Das ist eigentlich schade. Grasberg heißt nicht umsonst Grasberg, aber Grünland mit Auflagen wird zunehmend uninteressant“, zeigt Böschen auf. Selbst Verpächter von Grünlandflächen bekommen nur noch kurze Pachtverträge mit niedrigen Preisen unterschrieben. „Der Wertverlust von Eigentum mit all seinen Konsequenzen hat auf Moorstandorten längst begonnen“, fasst Vizepräsident Tannen die Dramatik zusammen. (LPD 41/2022)

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