Nutrias breiten sich immer noch rasant aus

In Niedersachsen breitet sich die Sumpfbiberratte weiter aus Foto: Pixabay

Landvolk begrüßt Einsatz der Hegeringe bei der Jagd auf die Neozoen

L P D – Auch wenn ihr Fleisch in ihrer Heimat Südamerika als Delikatesse gilt und wie Spanferkel schmecken soll – die Nutria genannte Sumpfbiberratte ist hierzulande für Deiche und wasserdurchzogene Kulturlandschaften regelrecht eine Gefahr. „Wir begrüßen die gezielte Bejagung der Tiere, denn sie zerstören nicht nur Dämme, Uferböschungen und Gräben. Ihre Bauten ziehen sich bis weit in die angrenzenden Weideflächen hinein, so dass Kühe in die von Nutria verursachten Löcher einbrechen und sich dabei schwere Verletzungen zuziehen können“, erklärt Landvolk-Vizepräsident Manfred Tannen.

Nutria dürfen in Niedersachsen ganzjährig bejagt werden. Zwischen April 2019 und April 2020 sind rund die Hälfte aller in Deutschland erlegten 88.000 Nutrias in Niedersachsen getötet worden, berichtet der Deutsche Jagdverband, rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bejagung der dämmerungs- und nachtaktiven Nutrias erfolgt am effektivsten an Wechseln zu landwirtschaftlichen Kulturen, in denen sie den Schaden anrichten. Das Land Niedersachsen hat drei Berufsjäger als Multiplikatoren und Ansprechpartner für die Jägerschaft angestellt und 650 Nutriafallen beschafft, die mit elektronischen Fangmeldern ausgestattet sind.

Auch die Hegeringe arbeiten regional eng mit Landwirten und Behörden zusammen, um die weitere Verbreitung der sich schnell fortpflanzenden „Silberratten“ einzudämmen. Nutria sind in vielen Bereichen Niedersachsens heimisch geworden; vor allem haben sich im Norden und Nordwesten des Bundeslandes gesicherte Populationen gebildet. Die Tiere bringen zwei bis drei Mal im Jahr Würfe mit sechs bis acht Jungen zur Welt, die wiederum nach fünf Monaten geschlechtsreif sind. Neben dem Land unterstützen auch viele Landkreise in Niedersachsen die Bejagung finanziell durch Fangprämien oder Geld für die Beschaffung von Fallen.

Gute Erfahrungen wurden in Ostfriesland mit der Bekämpfung der einst überbordenden Bisam-Population gemacht. Zeitweise sind pro Saison bis zu 240.000 Tiere gefangen worden, heißt es in einem Bericht des Wasserschutzverbandes. „Wenn es uns gelingt, auch die Zahl der Nutria wieder auf ein verträgliches Maß zu reduzieren, kommt dies einerseits dem Küstenschutz, aber auch der Landwirtschaft insgesamt sehr zugute“, bekräftigt Manfred Tannen. (LPD 01/2021)

Ansprechpartnerin für diesen Artikel

Sonja Markgraf

Pressesprecherin

Tel.: 0511 36704-31

E-Mail-Kontakt

Weitere Beiträge

Landwirt mit Handy

Landvolk: Weg vom Denken „Kontrolle – Sanktion – Widerspruch“

L P D – Seit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023 gehört die FANi-App (Fotos Agrarförderung Niedersachsen) für viele Betriebe zum Förderalltag. „Niedersachsens Landwirte sind als Antragsteller inzwischen aktiv…

Erste-Hilfe-Training Foto: Pixabay

Erste Hilfe auf dem Hof: Bauern trainieren den Ernstfall

L P D – „Stell Dir vor, Du hast einen Herzinfarkt und bist mit deinem Trecker ganz allein auf dem Feld.“ Diese und viele weitere Szenarien beleuchtet Kursleiter Peter Stors…

Schafe auf der Weide

Herdenschutz, Weidezaunbau und Wolfsmanagement

L P D – Welche Möglichkeiten haben Weidetierhalter, ihre Schafe, Rinder und Pferde vor Angriffen von Wölfen zu bewahren? Diese Frage steht ihm Mittelpunkt des 2. Echemer Zauntags, der am…

Milchkühe

Gute Futterqualität ist Grundlage für gesunde Kühe

L P D – Der erste und für die Milchviehbetriebe wichtige Grassilageschnitt in Niedersachsen ist vielerorts abgeschlossen – mit überwiegend sehr guten Qualitäten, aber regional teils enttäuschenden Erträgen. Besonders im…

GAP-Reform: Landvolk bewertet EU-Vorschläge kritisch

L P D – Wie geht es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 weiter, und welche Folgen hätten die Reformvorschläge der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Räume? Mit diesen…

Tag des offenen Hofes

Tag des offenen Hofes lockt Familien ins Grüne

L P D – Am 7. Juni bieten fast 50 Landwirtinnen und Landwirte beim niedersachsenweiten Tag des offenen Hofes von 10 bis 18 Uhr ein attraktives Rahmenprogramm aus Landwirtschaft, Genuss…