Pferdezüchter geben Wissen an junge Generation weiter

Mitglieder im Projekt Next-Gen-Züchter des Hannoveraner Verbands Foto: Hannoveraner Verband

Projekt Next-Gen-Züchter des Hannoveraner Verbands

L P D – Wirtschaftlicher Druck, hohe Anforderungen an die Tierhaltung und die Bedrohung durch den Wolf setzen Pferdehaltern in Niedersachsen seit einigen Jahren stark zu. „In meinem Umfeld wurden sechs Pferde und Ponys gerissen, deshalb machen sich viele Pferdehalter die Arbeit und holen ihre Tiere abends in den Stall“, berichtet Jürgen Rump aus dem Heidekreis, der die Belastung durch die Gefahr von Übergriffen gut nachvollziehen kann. Neben den Problemen mit dem Wolf führen auch steigende Lebenshaltungs- und Tierarztkosten dazu, dass viele Pferdehalter ihr Hobby überdenken.

„Unsere Kundschaft besteht nicht aus reichen Leuten, sondern aus ganz normalen Pferdeliebhabern, die einen hohen Anteil ihres Einkommens für ihre Tiere aufbringen“, sagt der passionierte Pferdezüchter. Die Nachfrage nach Nachwuchspferden sei spürbar gesunken, weshalb auch viele traditionelle landwirtschaftliche Pferdezüchter vorsichtiger geworden seien. Familie Rump hat ihren Hannoveraner-Zuchtstutenbestand von vier bis fünf auf zwei bis drei Tiere reduziert, obwohl sie auf 100-jährige Ahnenlinien zurückblicken kann.

„Wir verkaufen keine Fohlen, sondern drei- bis vierjährige, bereits gerittene Pferde“, erklärt der 73-Jährige. Mittlerweile überlässt er das Reiten anderen, longiert die jungen Pferde aber weiterhin selbst und lässt sie freispringen. „Dass ich meine Pferde selbst ausbilden konnte, war die Garantie für meinen Erfolg als Pferdezüchter“, blickt er zurück. Mit Sorge sieht er nun, dass vor allem ältere Züchter mit ihrem großen Erfahrungsschatz aufgeben. Zugleich verschiebt sich die Struktur von traditionellen landwirtschaftlichen Züchtern zunehmend hin zu Reitern mit Zuchtambitionen.

Um diesem Wandel zu begegnen, hat der Hannoveraner Verband das Projekt „Next-Gen-Züchter“ gestartet. Ziel ist es, jungen Zuchtinteressierten – ob Mitglied im Verband oder nicht – den Einstieg zu erleichtern und den Aufbau eines tragfähigen Netzwerks zu fördern. Bei einer der ersten Veranstaltungen anlässlich der Hengstvorführung des Landgestüts Celle in der Niedersachsenhalle gaben erfolgreiche Züchter Einblicke in ihre Strategien, während die Next-Gen-Züchter eigene Vorschläge erarbeiteten, die anschließend in Kleingruppen diskutiert wurden. „Das Projekt wird von den Teilnehmenden sehr positiv aufgenommen und ist langfristig angelegt“, freut sich Antonia Heise vom Hannoveraner Verband. Weitere Veranstaltungen sind bereits in Planung.

Die schwierige Lage wirkt sich nämlich nicht nur auf die Stimmung in den Pferdeställen aus, sondern auch auf die Zahlen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Für alle Pferde- und Ponyrassen der 26 Zuchtverbände – vom Achal-Tekkiner bis zum Warlander – wurden 2024 folgende Bestände gemeldet: 7.627 Hengste (Vorjahr: 7.830), 78.784 Zuchtstuten (Vorjahr: 81.457) und 38.044 Fohlen (Vorjahr: 42.085). Die negative Entwicklung werde sich in diesem Jahr voraussichtlich fortsetzen, ist Rump überzeugt. Dabei, so meint er, würde es vielen Menschen guttun, sich mit Pferden zu beschäftigen. „Je verrückter die Welt wird, desto mehr können Menschen im Kontakt zur Natur und zu Tieren ihren mentalen Ausgleich finden“, sagt er – und denkt dabei auch an die Jugendlichen, die im Reitverein nebenan ihre Liebe zum Pferd entdecken. (LPD 64/2025)

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