Pflanzenschutzmitteleinsatz soll reduziert werden

Foto: Landvolk Niedersachsen

Niedersächsischer Weg – Erzeugung gesunder Lebensmittel bleibt Kernaufgabe

L P D – Die Idee, durch verbesserte Technologien, Pflanzenzucht und integrierten Pflanzenbau den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren, ist ein wesentlicher Punkt des Niedersächsischen Weges. „Dazu wird noch eine Menge Forschung und Entwicklung nötig sein“, sagt Ulrich Löhr, Vizepräsident im Landvolk Niedersachsen. Er ist sich sicher, dass mit dem technischen Know-How Herbizide zukünftig seltener oder nur noch punktuell, anstatt auf der ganzen Fläche eingesetzt werden. „Es gibt in diesem Bereich umfangreiche Ideen und Forschungen“, sagt Löhr. Deshalb hält er es auch für sinnvoll, dass den Landwirten im Niedersächsischen Weg Anreize gesetzt und die Anschaffung neuer Technik und der freiwillige Verzicht auf Pflanzenschutzmittel massiv gefördert werden sollen, anstatt einzelbetriebliche Verpflichtungen und Vorgaben zu einzelnen Wirkstoffen durchzusetzen.

An die Pflanzenzüchter geht zudem die Forderung nach resistenten Pflanzen. „Mit modernen Züchtungsmethoden lassen sich Pflanzen züchten, die Schädlingen trotzen“, sagt der Landwirt. Er betont aber, dass es sich dabei keinesfalls um risikobehaftete Gentechnik handele. Molekularbiologische Methoden wie CRISPR/Cas könnten den Zuchtfortschritt aber erheblich beschleunigen und daher vermehrt in den Fokus genommen werden sollten.

Eine Herausforderung wird seiner Meinung nach der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten sein. „Da ist die fachliche Frage zu klären, was noch eingesetzt werden darf und wann“, sagt Löhr. Totalherbizide seien in Naturschutzgebieten ohnehin schon verboten, andere Mittel nur in Einzelfällen nach vorheriger behördlicher Genehmigung erlaubt. Der Niedersächsische Weg spricht sich nun für eine weitergehende Reduktion von Pflanzenschutzmitteln auf Ackerflächen in Naturschutzgebieten aus. Auf Dauergrünland in Landschaftsschutzgebieten, die ein Natura-2000-Gebiet sichern, und in Naturschutzgebieten soll die Ausbringung von chemisch-synthetischen Mitteln grundsätzlich untersagt werden. Ausgenommen sollen Fälle sein, für die es keine zumutbare praxistaugliche Alternative gibt, sowie eine maßvolle Anwendung auf durch Kalamitäten (z.B. Mäuseplage) betroffenen Teilflächen, denen der Schutzzweck des jeweiligen Gebietes nicht entgegensteht.

Um herauszufinden, ob die Ziele des Niedersächsischen Weges erreicht werden, sind umfassende Evaluierungsmaßnahmen nötig. „Da sind noch Ideen gefragt“, sagt Löhr. Ihm schwebt ein Testbetriebsnetz oder ähnliches vor, nach deren Erfahrungen die Maßnahmen auch angepasst werden können. Auf keinen Fall dürften die Landwirte mit noch mehr Bürokratie belastet werden. „Die nachhaltige Erzeugung gesunder Lebensmittel bleibt die Kernaufgabe der bäuerlichen Familienbetriebe“, sagt Löhr. (LPD 67/2020) Mehr Infos zum Thema auf: www.niedersaechsischer-weg.de

Weitere Beiträge

Landwirt mit Handy

Landvolk: Weg vom Denken „Kontrolle – Sanktion – Widerspruch“

L P D – Seit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023 gehört die FANi-App (Fotos Agrarförderung Niedersachsen) für viele Betriebe zum Förderalltag. „Niedersachsens Landwirte sind als Antragsteller inzwischen aktiv…

Erste-Hilfe-Training Foto: Pixabay

Erste Hilfe auf dem Hof: Bauern trainieren den Ernstfall

L P D – „Stell Dir vor, Du hast einen Herzinfarkt und bist mit deinem Trecker ganz allein auf dem Feld.“ Diese und viele weitere Szenarien beleuchtet Kursleiter Peter Stors…

Schafe auf der Weide

Herdenschutz, Weidezaunbau und Wolfsmanagement

L P D – Welche Möglichkeiten haben Weidetierhalter, ihre Schafe, Rinder und Pferde vor Angriffen von Wölfen zu bewahren? Diese Frage steht ihm Mittelpunkt des 2. Echemer Zauntags, der am…

Milchkühe

Gute Futterqualität ist Grundlage für gesunde Kühe

L P D – Der erste und für die Milchviehbetriebe wichtige Grassilageschnitt in Niedersachsen ist vielerorts abgeschlossen – mit überwiegend sehr guten Qualitäten, aber regional teils enttäuschenden Erträgen. Besonders im…

GAP-Reform: Landvolk bewertet EU-Vorschläge kritisch

L P D – Wie geht es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 weiter, und welche Folgen hätten die Reformvorschläge der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Räume? Mit diesen…

Tag des offenen Hofes

Tag des offenen Hofes lockt Familien ins Grüne

L P D – Am 7. Juni bieten fast 50 Landwirtinnen und Landwirte beim niedersachsenweiten Tag des offenen Hofes von 10 bis 18 Uhr ein attraktives Rahmenprogramm aus Landwirtschaft, Genuss…