Schweinebestand nimmt europaweit weiter ab

Preisentwicklung gut, Stimmung bei Haltern schlecht

L P D – Ruhe herrscht aktuell auf dem Schweinemarkt. „Einigermaßen gute Ferkel- und Schweinepreise sorgen bei unseren Sauen- und Schweinehaltern für relative Entspannung. Zudem sind die Kosten für Betriebsmittel gesunken“, fasst Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers, als Vorsitzender des Veredlungsausschusses im Landvolk Niedersachsen, die Lage zusammen. Doch allen sei klar, dass dieser Anstieg nur aufgrund des weiter sinkenden Schweinebestandes fuße. Inwiefern nicht nur Angebot und Nachfrage auf den Preis Einfluss nehmen, sondern auch der Weltmarkt, die Futter- und Betriebskosten sowie weitere Faktoren entscheidend sind, zeigte Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, den Ausschussmitgliedern auf.

So ist der Schweinepreis der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) gegenüber der Vorjahrswoche um zehn Prozent gestiegen. Lag er in der 45. Kalenderwoche im vergangenen Jahr bei 1,90 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht (€/kg SG), stand er zum selben Zeitpunkt 2023 bei 2,10 €/kg SG. „Das sind fast 40 Cent weniger als zur Jahresmitte 2023, aber weitaus mehr als in den beiden großen Verlustjahren 2021 und 2020 mit Preisen zwischen 1,20 €/kg SG und 1,30 €/kg SG“, führt Hortmann-Scholten aus. Zudem sind im Vergleich zum letzten Jahr auch die Energie- und Futterkosten im Durchschnitt um 20 Prozent gesunken, was sich ebenfalls positiv auf die Betriebsergebnisse auswirke.

Ein gewaltiges Plus verzeichnet der Ferkelmarkt. Um 45,8 Prozent stieg der Preis für das 25-Kilogramm-Ferkel von 48 auf 70 Euro im Vergleich zur Vorjahreswoche. Zur Jahresmitte wurden die Ferkel sogar mit Preisen um die 90 Euro gehandelt. Das sei aber auch nach drei Jahren Verlust dringend notwendig und eine normale Gegenbewegung gewesen, ordnet der LWK-Fachmann diesen Anstieg ein und fügt hinzu: „Wir sind jetzt bei der Bodenbildung am Ferkelmarkt. Aufgrund des weiter geringen europaweiten Angebots rechnen wir mit einem Turnaround, dass die Ferkelpreise wieder steigen werden“, erklärt Hortmann-Scholten.

Grund hierfür ist die insgesamt geringe Stückzahl sowohl an Schlachtschweinen als auch an Ferkeln. „Seit acht Jahren reduziert Deutschland die Produktion, sodass vergangenes Jahr 47,2 Mio. Schweine in Deutschland geschlachtet wurden und wir für 2023 nur noch mit knapp 44 Mio. Stück rechnen“, prognostiziert Hortmann-Scholten und verweist auf weitere Standortschließungen. Er rechnet daher auch für das nächste Jahr mit noch geringen Schweinebeständen und geringerer Produktion – für ganz Europa. Ursachen sind die PRRS-Ausbrüche bei Sauen in Spanien sowie die Herauskaufprogramme zur Reduzierung der Stickstoffemissionen in den Niederlanden und Belgien. Der im Juni 2023 bislang niedrigste Schweinebestand in der EU-27 mit 136,3 Mio. Schweinen werde daher zum Jahresende wahrscheinlich weiter sinken. In Deutschland gab im Juni 2023 nur noch 20,9 Mio. Schweine, ein Minus von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. (LPD 91/2023)

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