Schweinepreis fällt deutlich, aber Ladenpreis nicht!

„Der aktuelle Preisrutsch von 10 Cent sowie die verhaltende Nachfrage sorgen nicht nur dafür, dass die Kollegen weniger Geld bekommen und rote Zahlen in die Bücher schreiben, sondern auch, dass sie zu schwere Schweine abliefern und dafür noch zusätzliche Qualitätsabzüge drohen“, zeigt Ehlers die Konsequenzen für die Landwirte auf Foto: Landvolk

Landvolk-Vizepräsident Ehlers hinterfragt Ehrlichkeit des Lebensmitteleinzelhandels

L P DPreisschwankungen zu Jahresbeginn sind für schweinehaltende Betriebe nichts Neues. Die aktuelle Notierung für Schweine mit 1,82 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht aber hat in dieser Dimension mit einem Minus von 10 Cent pro Kilogramm Schlachtgewicht (Ct/kg SG) selbst den gestandenen Schweinemäster überrascht. „Schwankungen hat es immer gegeben, das sind normale Marktentwicklungen. Das ist meiner Meinung nach besser als Preisänderungen durch die Hintertür mit Maskenänderungen oder Änderungen der Vorkosten, wie es im vergangenen Jahr passiert ist. Solch deutliche Preisänderungen sind aber ungewöhnlich und zu hinterfragen“, bewertet Landvolk-Vizepräsident und Schweinemäster Jörn Ehlers die Entwicklung am Schweinemarkt.

Nach den Feiertagen und zu Jahresbeginn ist die verhaltende Nachfrage nach Schweinefleisch durch den Verbraucher normal. Dieses Jahr aber wurden aufgrund der ungünstigen Feiertagskonstellation von den Schlachthöfen noch weniger Schweine nachgefragt und geschlachtet, sodass viele Schweine in den Ställen blieben – es kommt zum Schweinestau. „Wir Schweinemäster und -vermarkter kennen das. Aber der aktuelle Preisrutsch von 10 Cent sowie die verhaltende Nachfrage sorgen nicht nur dafür, dass die Kollegen weniger Geld bekommen und rote Zahlen in die Bücher schreiben, sondern auch, dass sie zu schwere Schweine abliefern und dafür noch zusätzliche Qualitätsabzüge drohen“, zeigt Ehlers die Konsequenzen für die Landwirte auf.

Zunehmend ärgert Ehlers, der auch Vorsitzender des Veredlungsausschusses im Landvolk Niedersachsen ist, dass trotz Preissenkung der Ladenpreis für Schweinefleisch nicht sinkt – im Gegenteil: Während Schweinemäster 2024 im Schnitt 2,04 Euro pro Kilogramm erhielten, musste der Verbraucher für das Kilo 8,21 Euro an der Ladentheke bezahlen – ein Unterschied von 6,17 Euro. 2022 lag die Differenz bei einem Erzeugerpreis von 2,02 Euro bei 5,74 Euro. „Hier müssen wir uns verstärkt fragen, ob sich jemand auf unsere Kosten die Taschen voll steckt! Wir haben einen erheblichen Importbedarf bei Schweinefleisch für einzelne Marktsegmente, die bei uns in nicht ausreichender Menge erzeugt werden. Wenn Handel und Schlachter ihr Bekenntnis zu 5xD und zu deutschen Standards ernst meinen, muss es einen deutlichen Preisaufschlag geben“, sagt Ehlers und begrüßt, dass aus diesem Grunde an der Haltungs- und Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie festgehalten werde, um dort zumindest dem Konsumenten erkennbar zu machen, wo und wie das Schnitzel erzeugt wurde.

Positiv sieht Ehlers, dass das Schlachtunternehmen Danish Crown am Standort Niedersachsen festhält. Das Schlachtunternehmen hatte ankündigt, die Verpackung von SB-Fleisch für den Verkauf an den deutschen Einzelhandel einzustellen, da der Wettbewerb knallhart und das Geschäft nicht mehr profitabel sei. (LPD 04/2025)

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