Schweinepreise steigen endlich, Kosten aber extrem auch

Schweinehalter und Ferkelerzeuger erleben aktuell eine Kostenentwicklung bei Futtermitteln und beim Flüssiggas und Energie, die ihresgleichen suchen Foto: Landpixel

Deutschland mit niedrigstem Schweinebestand seit 25 Jahren

L P D – Wenn aus tiefen Bereichen ein Aufschwung zu verzeichnen ist, dann sieht dieser im ersten Moment zwar enorm aus. Aber hinter die Kulissen geblickt, reicht das Plus unter Vollkostengesichtspunkten nicht zum Überleben: So aktuell bei den Schweinehaltern. „Gegenüber dem Jahrespreistief haben sich sowohl der Schweine- als auch der Ferkelpreis deutlich erhöht, doch die Schweinehalter und Ferkelerzeuger erleben aktuell eine Kostenentwicklung bei den Futtermitteln und vor allem beim Flüssiggas und Energie, die ihresgleichen suchen“, zu diesem Fazit kommt Dr. Albert Hortmann-Scholten in seinem Bericht beim Veredlungsausschuss im Landvolk Niedersachsen.

Die exorbitante Gaspreiserhöhung wird vor allen Dingen den Sauenhaltern zusetzen. Die Produktionskosten steigen im laufenden Wirtschaftsjahr aufgrund der höheren Gas- und Stromkosten voraussichtlich zwischen 8 und 10 Euro je Ferkel. Eine Preissteigerung um weit mehr als 200 Prozent. Schweine- und Geflügelmäster sowie Legehennenhalter werden ebenfalls erheblich massiv betroffen sein, denn ohne Heizung und Lüftung ist die Tiergesundheit gefährdet. Auch die Futtermittelpreisentwicklung macht laut Hortmann-Scholten auf den Höfen das Gros der Kosten aus. „Wer Futtermittel zukauft, spürt wie eng die wirtschaftliche Situation selbst bei einem besseren Schweinepreis von 2,05 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht ist“, erklärt der Bereichsleiter der Landwirtschaftskammer.    

Nach den Rekorden vor gut zehn Jahren bei den Stückzahlen in 2010/2011 geschlachteter Schweine mit fast 60 Mio. Schweinen werden in 2022 nicht einmal mehr 48 Mio. in Deutschland geschlachtet. 2021 waren es noch fast 52 Mio. Schweine. „Das ist ein Minus von mindestens sieben Prozent“, führt Hortmann-Scholten aus.

Der Grund liegt auch im Verzehr von Fleisch in der EU begründet. Lag der EU-Durchschnitt 2019 noch bei 69 Kilogramm pro Kopf, so ist er für 2021 um zwei Kilogramm auf 67 kg/Kopf gesunken. Die Deutschen verzehren nur noch 55 kg/Kopf und damit 12 Kilo weniger als der EU-Durchschnittsbürger. „Deutschland ist Schlusslicht in der EU-Entwicklung. Nur in Rumänien und Bulgarien ist der Pro-Kopf-Verbrauch mit 54 bzw. 43 kg geringer“, führt Hortmann-Scholten aus. Spitzenreiter sind in der EU die Spanier, die Dänen und Portugiesen mit 85, 83 bzw. 81 kg/Kopf im Jahr 2021.

Und während Deutschland seinen Schweinebestand im November/Dezember 2021 um über neun Prozent auf 23,6 Mio. Stück reduzierte, hat Spanien seinen Bestand um gut fünf Prozent auf 34,5 Mio. Schweine erhöht. Inzwischen ist aber auch dort die Aufwärtsentwicklung aufgrund der in Spanien stark gestiegenen Futterkosten gestoppt.

„Interessant dabei ist vor allem der Aspekt, dass 11 kg/Kopf Schweinefleisch nach Deutschland importiert werden. Damit werden zum einen die Qualitätsstandards unterlaufen, zum anderen zeigt es, dass Deutschland bei den Edelteilen des Schweines nur einen Selbstversorgungsgrad von 60 Prozent besitzt. Deshalb ist für die deutschen Schweinehalter die Herkunfts- und Haltungskennzeichnung so wichtig“, sagt Hortmann-Scholten abschließend. (LPD 67/2022)

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