Tierhalter leiden besonders unter dem Hochwasser

Das Hochwasser sorgt in der Landwirtschaft für immense Schäden, wie hier beim Veltenhof in Lilienthal. Foto: Borchers

Kühe und Pferde müssen evakuiert werden – Futter ist verdorben

L P D„Ich hätte nicht gedacht, dass das Wasser so schnell kommt“, sagt Iris Borchers vom Veltenhof in Lilienthal. Quasi über Nacht lief das Wasser aus der Wümme über die Straße direkt in ihre Pferdeställe, in die Reithalle und ins Wohnhaus. Die vorbeugend ausgelegten 700 Sandsäcke, die Rundballen und die gezogene Pflugfurche konnten die Fluten nicht aufhalten, das Wasser suchte sich seinen Weg durch jede Ritze. „Ich bin nachts um 1 Uhr aufgestanden, da standen die Pferde in ihren Boxen schon kniehoch im Wasser und in der Reithalle schwammen Eimer und Bänke“, beschreibt sie die beängstigende Situation, zumal zu diesem Zeitpunkt bereits der Strom ausgefallen war. Mithilfe des Technischen Hilfswerks und zahlreichen Bekannten, die sich mit ihren Anhängern oder LKW am 2. Weihnachtsfeiertag mitten in der Nacht auf den Weg machten, konnten die 73 Pferde evakuiert werden.

„Die Tiere sind erstaunlicherweise trotz des Trubels und den Schweinwerfern ruhig geblieben und haben sich gut verladen lassen“, ist Borchers immer noch erleichtert. Vom Hengst, über Jährlinge, tragende Zuchtstuten und Reitpferde konnten alle Vierbeiner in Sicherheit gebracht werden. „Morgens um 7 Uhr standen alle wieder im Trockenen, allein 40 Pferde konnten wir beim Hannoveraner Verband in Verden unterbringen“, zeigt sie sich dankbar gegenüber ihrem Arbeitgeber. Auf dessen Seite www.hannoveraner.com/hannoveraner-verband/news/artikel/hochwasser/ wurde zudem ein Spendenaufruf für die Familie veröffentlicht. Bei Facebook https://www.facebook.com/HannoveranerVerband/posts/957758192379788 bietet der Verband Pferdehaltern die Möglichkeit, sich zu vernetzen und gegenseitig zu helfen.

Mittlerweile ist das Wasser zwar etwas zurückgegangen, hat sich jedoch durch den Frost in eine große Eisplatte verwandelt. „Wir haben die Ställe mit Schneeschiebern und Besen ausgemistet, um das Wasser rauszubekommen, aber nun stehen die Arbeiten erstmal still“, bedauert Borchers. Klar ist aber jetzt schon: Der Schaden ist immens. Dies kann auch Milchbauer Wiljan Meilink bestätigen, dessen Weiden in der Grafschaft Bentheim vom Hochwasser überflutet wurden. „Das Gras ist fies braun, das können wir unseren Kühen nicht zumuten“, sagt er. Entweder müsse noch während des Frosts gemäht und abgefahren werden oder kurz vor der Gülleausbringung – extra Arbeit und extra Kosten seien jedenfalls garantiert. Er ist froh, dass seine Stallungen und das Wohnhaus seiner Familie etwas höher liegen, daher war nur die Zuwegung überflutet. „Wir haben erst geschottert und planiert und als das nicht geholfen hat, haben wir abends noch 25 große Stahlplatten verlegt, damit der Milchwagen und die Futterlieferanten zu uns durchkommen können“, schaut Meilink auf turbulente Feiertage zurück. Beeindruckt hat ihn in der Zeit jedoch der große Zusammenhalt unter den Berufskollegen. „Manche haben 50 zu melkende Kühe aufgenommen und versorgen sie jetzt mit“, nennt er ein Beispiel für die enorme Hilfsbereitschaft und das gute Miteinander in der Landwirtschaft. (LPD 03/2024)

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